"Es ist immer schwer, etwas zu kritisieren, was man nicht kennt."
Thomas Bubendorfer
Mich stört etwas. Es stört mich ziemlich. Ziemlich sehr. Bei der ganzen Lehrer-Versager-Diskussion fehlt ein entscheidender Punkt. Die Politik, die Verwaltung. Wir, die Lehrer, haben die Entscheidungen, die da oben getroffen werden, auszuführen. Wir müssen mit allen Reformen leben. Wir sind ja Lehrer, ausgebildete Menschen, wir schaffen das schon. Wir schaffen alles. Wir müssen alles schaffen. Friss oder stirb. Hat sich irgendjemand die genauen Umstände angeschaut, unter denen wir arbeiten? Inklusion ohne Sonderpädagogen, nur mit uns, die kein Sonderpädagogik-Studium von mindestens acht Semestern hinter sich haben. Reformen, die ohne Rücksicht auf Verluste durchgeführt werden. Nur mit Rücksicht auf Finanzen- möglichst viel sparen. Schwierigste Schüler mit grausamsten Familiengeschichten ohne Sozialpädagogen. Supervision für Lehrer weit und breit nicht zu sehen. Differenzierung ohne Geld für Kopien oder gescheite Bücher. Schulpsychologen, die alleine für sieben Schulen gleichzeitig verantwortlich sind. Also bitte, nicht immer auf die Lehrer! Es gibt genug andere Versager, die (mit) für das Desaster an deutschen Schulen verantwortlich sind! Bei uns, an einer Hauptschule, gibt es wahrscheinlich die fähigsten
Lehrer überhaupt. Weil sie das alles aushalten und dabei noch ihren
Optimismus behalten. Keiner will Lehrer werden und mit den schwierigsten der Schwierigsten arbeiten. Aber jeder fühlt sich berufen und qualifiziert dafür, Lehrer zu kritisieren.
Ich glaube, ich gehe jetzt eine Runde laufen. Mich abreagieren. Und danach korrigieren, Unterricht vorbereiten, Eltern anrufen. Ein Hoch auf unseren Halbtagsjob! Cheers.
http://www.kiwi-verlag.de/buch/ich-werd-sowieso-rapper/978-3-462-04585-7/
Mittwoch, 5. März 2014
Montag, 3. März 2014
Dinge, die so oft so wenig zählen.
"Einen Zyniker erkennt man daran, daß er von jedem Ding den Preis, aber von keinem den Wert kennt."
Oscar Wilde
Ich bin dieses Wochenende weit gefahren. Mit dem Zug. Eine Freundin von mir sagt, wenn du zu viele Komplexe hast und an dir zweifelst, fahr Bahn und guck dich um. Dann hast du plötzlich keine mehr.
Ich sitze also in diesem Zug. Die Fahrkarte war teuer. Ziemlich teuer. Mist, denke ich, Trinken! Ich habe vergessen, etwas zum Trinken mitzunehmen. Also spaziere ich zum Bistrowagen und gucke mir die Getränkekarte an. Wieder ziemlich teuer. Aber meinen Durst interessieren die Preise nicht. Also stelle ich mich an. Vor mir steht eine Frau, die nur Englisch spricht. Im Gegensatz zur Bahnmitarbeiterin. Die spricht nur Deutsch. Jedenfalls möchte die Frau auch etwas zum Trinken kaufen. Von den ca. 3 EUR für ein Getränk, möchte sie aber einen Euro in 10 cent Stücken zahlen. Da versteht die Bahnmitarbeiterin keinen Spaß. Sie wäre doch keine Tschänging-Maschine. Oder Benkautomet. Hmm, denke ich. Bin ich doof oder sieht die Mitarbeiterin da etwas anderes als ich? Ich sehe nämlich ein 2-Euro-Stück und zehn 10-Cent-Münzen. Geld halt. Geld ist Geld. Man könnte meinen, da würden 3 Euro in 5-Cent-Münzen liegen. Aber selbst wenn. Auch hier ist Geld Geld. NO, das smol Geld nehme sie nicht. Sie wäre ja keine Tschänging-Maschine. Ich gucke mich um. Und kann nirgendwo ein Schild entdecken, auf dem möglicherweise die Münzen stehen könnten, die man hier annimmt. Weit und breit kein Hinweis. You want trinken or no trinken? Trinken? Money big! Die Dame vor mir ist leicht verzweifelt. Sie scheint, echt Durst zu haben. Aber zu viele Münzen. Kein Erbarmen. Die Frau muss weg. Mit ihren Münzen. Ohne Trinken.
Letzte Woche war ich bei einem Amt. Einem sehr wichtigen. Mit lauter wichtigen Stempeln und vielen Türschildern, die auf lauter wichtige Menschen verweisen. Ich war zum dritten Mal da. Weil man mir die beiden Male davor, eine falsche Information mitgeteilt hatte. Ans Telefon geht den ganzen Tag keiner, also muss ich persönlich hin. Zum dritten Mal. Ich brauche unbedingt so ein wichtiges Papier. Ein bestimmtes. Gibt es nur in diesem Amt. Ich drehe also alles so hin, dass ich später zur Schule kommen kann und stehe um 8:25 Uhr vor der Tür, die ich benötige. Ich muss unbedigt die Erste heute sein. Sonst haut es in der Schule mit dem Vertretungsplan nicht hin. Um 8:28 Uhr guckt ein Mitarbeiter aus der Tür und guckt mich verwundert an. Die Sprechstunde würde erst um 8:30 Uhr beginnen, ich solle doch noch einmal Platz nehmen. Nein, erkläre ich dem Herren. Geht nicht. Bei meinem dritten Besuch muss ich nämlich das Papier bekommen. Jetzt wirklich. Ich muss die Erste sein. Der Herr zuckt mit den Schultern. Nach weiteren 30 Minuten und zahlreichen wichtigen Menschen in lauter wichtigen Zimmern, sitze ich vor dem allerwichtigsten Menschen. Der zuckt eine Akte. Frau Wirbelwind? Neeein, Frau Feynberg bin ich! Oh. Eine falsche Akte, die er da in der Hand hält. Er bräuchte noch einmal meinen Personalausweis. Personalausweis? Aber den habe ich doch vorne abgegeben. Ah so, ja. Nach 45 Minuten und einem kleinen Nervenzusammenbruch verlasse ich das Amt. Endlich halte ich das Papier in der Hand. Die Verwaltungsgebühr muss ich natürlich trotzdem zahlen. Trotz der 100.000 Fehler, die alle möglichen wichtigen Menschen in diesem wichtigen Amt da gemacht haben.
Am Dienstag war ich bei einer Lesung. Einer sehr interessanten. Von einer sehr süßen und begabten Autorin. Neben mir saß ein Mann, der während der Lesung Quizduell auf seinem Handy gespielt hat. Alle fünf Minuten guckte er hoch und lächelte. Durchaus interessiert. Hä, denke ich, Typ, kannst du nicht zu Hause Quizduell spielen? Das wäre billiger für dich. Den Eintritt für die Lesung müsstest du dann nämlich nicht zahlen.
Und die Moral von der Geschicht': Kein Wunder, dass meine Schüler mir kein Wort glauben. Frau Feynberg ist nur Lehrerin. Sie hat kein Plan vom Leben, jaaa. Ich guckte mich also letzte Woche um. Mehr als mir lieb ist. Und merkte: ich habe wirklich keinen Plan vom Leben. Ich verlange nämlich von meinen Schülern Höflichkeit, Zuverlässigkeit, Pünktlich, Respekt und all die anderen schrecklichen Dinge, die so oft so wenig zählen.
Es ist die Welt da draußen, die mir Sorgen bereitet. Da gibt es zu viele Menschen, die respektlos, unhöflich sind und die ihren Aufgaben nicht so nachgehen, wie sie das sollten. Der Schüler, dem ich das alles beigebracht habe, geht also raus, raus aus der behüteten Schule und merkt: Ups, es gibt genug andere, die unhöflich, respektlos und unfähig sind. Und die alle kommen irgendwie im Leben weiter. Diese Werte, die ich also mühevoll versucht habe, diesen Jugendlichen beizubringen, spielen also plötzlich keine Rolle mehr. Gar keine. Denn es geht ja auch ohne. Und einfacher ist es auch noch.
Oscar Wilde
Ich bin dieses Wochenende weit gefahren. Mit dem Zug. Eine Freundin von mir sagt, wenn du zu viele Komplexe hast und an dir zweifelst, fahr Bahn und guck dich um. Dann hast du plötzlich keine mehr.
Ich sitze also in diesem Zug. Die Fahrkarte war teuer. Ziemlich teuer. Mist, denke ich, Trinken! Ich habe vergessen, etwas zum Trinken mitzunehmen. Also spaziere ich zum Bistrowagen und gucke mir die Getränkekarte an. Wieder ziemlich teuer. Aber meinen Durst interessieren die Preise nicht. Also stelle ich mich an. Vor mir steht eine Frau, die nur Englisch spricht. Im Gegensatz zur Bahnmitarbeiterin. Die spricht nur Deutsch. Jedenfalls möchte die Frau auch etwas zum Trinken kaufen. Von den ca. 3 EUR für ein Getränk, möchte sie aber einen Euro in 10 cent Stücken zahlen. Da versteht die Bahnmitarbeiterin keinen Spaß. Sie wäre doch keine Tschänging-Maschine. Oder Benkautomet. Hmm, denke ich. Bin ich doof oder sieht die Mitarbeiterin da etwas anderes als ich? Ich sehe nämlich ein 2-Euro-Stück und zehn 10-Cent-Münzen. Geld halt. Geld ist Geld. Man könnte meinen, da würden 3 Euro in 5-Cent-Münzen liegen. Aber selbst wenn. Auch hier ist Geld Geld. NO, das smol Geld nehme sie nicht. Sie wäre ja keine Tschänging-Maschine. Ich gucke mich um. Und kann nirgendwo ein Schild entdecken, auf dem möglicherweise die Münzen stehen könnten, die man hier annimmt. Weit und breit kein Hinweis. You want trinken or no trinken? Trinken? Money big! Die Dame vor mir ist leicht verzweifelt. Sie scheint, echt Durst zu haben. Aber zu viele Münzen. Kein Erbarmen. Die Frau muss weg. Mit ihren Münzen. Ohne Trinken.
Letzte Woche war ich bei einem Amt. Einem sehr wichtigen. Mit lauter wichtigen Stempeln und vielen Türschildern, die auf lauter wichtige Menschen verweisen. Ich war zum dritten Mal da. Weil man mir die beiden Male davor, eine falsche Information mitgeteilt hatte. Ans Telefon geht den ganzen Tag keiner, also muss ich persönlich hin. Zum dritten Mal. Ich brauche unbedingt so ein wichtiges Papier. Ein bestimmtes. Gibt es nur in diesem Amt. Ich drehe also alles so hin, dass ich später zur Schule kommen kann und stehe um 8:25 Uhr vor der Tür, die ich benötige. Ich muss unbedigt die Erste heute sein. Sonst haut es in der Schule mit dem Vertretungsplan nicht hin. Um 8:28 Uhr guckt ein Mitarbeiter aus der Tür und guckt mich verwundert an. Die Sprechstunde würde erst um 8:30 Uhr beginnen, ich solle doch noch einmal Platz nehmen. Nein, erkläre ich dem Herren. Geht nicht. Bei meinem dritten Besuch muss ich nämlich das Papier bekommen. Jetzt wirklich. Ich muss die Erste sein. Der Herr zuckt mit den Schultern. Nach weiteren 30 Minuten und zahlreichen wichtigen Menschen in lauter wichtigen Zimmern, sitze ich vor dem allerwichtigsten Menschen. Der zuckt eine Akte. Frau Wirbelwind? Neeein, Frau Feynberg bin ich! Oh. Eine falsche Akte, die er da in der Hand hält. Er bräuchte noch einmal meinen Personalausweis. Personalausweis? Aber den habe ich doch vorne abgegeben. Ah so, ja. Nach 45 Minuten und einem kleinen Nervenzusammenbruch verlasse ich das Amt. Endlich halte ich das Papier in der Hand. Die Verwaltungsgebühr muss ich natürlich trotzdem zahlen. Trotz der 100.000 Fehler, die alle möglichen wichtigen Menschen in diesem wichtigen Amt da gemacht haben.
Am Dienstag war ich bei einer Lesung. Einer sehr interessanten. Von einer sehr süßen und begabten Autorin. Neben mir saß ein Mann, der während der Lesung Quizduell auf seinem Handy gespielt hat. Alle fünf Minuten guckte er hoch und lächelte. Durchaus interessiert. Hä, denke ich, Typ, kannst du nicht zu Hause Quizduell spielen? Das wäre billiger für dich. Den Eintritt für die Lesung müsstest du dann nämlich nicht zahlen.
Und die Moral von der Geschicht': Kein Wunder, dass meine Schüler mir kein Wort glauben. Frau Feynberg ist nur Lehrerin. Sie hat kein Plan vom Leben, jaaa. Ich guckte mich also letzte Woche um. Mehr als mir lieb ist. Und merkte: ich habe wirklich keinen Plan vom Leben. Ich verlange nämlich von meinen Schülern Höflichkeit, Zuverlässigkeit, Pünktlich, Respekt und all die anderen schrecklichen Dinge, die so oft so wenig zählen.
Es ist die Welt da draußen, die mir Sorgen bereitet. Da gibt es zu viele Menschen, die respektlos, unhöflich sind und die ihren Aufgaben nicht so nachgehen, wie sie das sollten. Der Schüler, dem ich das alles beigebracht habe, geht also raus, raus aus der behüteten Schule und merkt: Ups, es gibt genug andere, die unhöflich, respektlos und unfähig sind. Und die alle kommen irgendwie im Leben weiter. Diese Werte, die ich also mühevoll versucht habe, diesen Jugendlichen beizubringen, spielen also plötzlich keine Rolle mehr. Gar keine. Denn es geht ja auch ohne. Und einfacher ist es auch noch.
Mittwoch, 26. Februar 2014
Wie ein russischer Hund
"Der größte Schauspieler der Welt ist mein Hund. Wenn er Hunger hat, tut er so, als ob er mich liebt."
Marlon Brando
Heute ist ein echt schöner Tag. Die Sonne scheint, der Frühling kommt, wärmer wird es auch langsam. Mein Tag beginnt heute erst mit der 4. Stunde. Ich bin gut gelaunt. Das Problem ist, meine Schüler sind es auch. Und denken an alles. Außer Unterricht.
Zuerst begegne ich Abdul. "Uuuh, Frau Feynberg, auch schon da? Ausgeschlafen?"
"Abdul, nur weil ich erst jetzt zur Schule komme, heißt es nicht, dass ich vorher nicht gearbeitet habe."
"Aaalleeer, Frau Feynberg, geben Sie ruhig zu. Sie haben bis gerade geschlafen? Ich sehe es an Ihren Augen."
"Aha. Und was genau siehst du in meinen Augen?"
"Die sind so gechillt. Obwohl... Sie sind immer gechillt. Ich glaube, Frauen sind eh immer gut gelaunt. Außer eine Woche im Monat."
"Abdul, du Spasst, du Elender! Wie der Frauen beleidigt. Cüüüsss, Übertreiber!" ruft Nafisa empört.
Ich schaue mich um und sehe, dass Can an der Tafel steht. In der Hand hält er Karteikärtchen. Er möchte eindeutig etwas zum Unterricht beitragen. Toll. Jemand, der doch an Unterricht denkt.
"Guten Morgen, Can. Was machst du da?"
"Ich will Gruppenarbeit machen. Weil ich war doch letztes Mal nicht da. Und Antonio hat gesagt, die konnten nur wegen mir nicht machen. Jetzt will ich aber. Ich bin ja da."
"Can, du hattest verschlafen!"
"Ja und? Ich hab doch Entschuldigung geschrieben. Hier." Er reicht mir ein zusammengeknülltes Blatt.
"Can, ich werde dein Verschlafen nicht entschuldigen. Verschlafen kann man nicht entschuldigen."
"Aber ich hab doch Entschuldigung geschrieben. Soll ich noch mal schöner schreiben? ich schwör, ich kann!"
"Can! Du hast verschlafen! Du warst nicht beim Arzt, du warst nicht krank. Du! Hast! Verschlafen! Du kannst mir höchstens eine schriftliche Ausarbeitung deines Referates geben. Wenn ich nett bin, korrigiere ich die. Aber du kannst jetzt nichts präsentieren. Jetzt brauche ich die Zeit für ein anderes Thema."
"Was Sie für ein Film hier machen! Nur wegen einmal verschlafen..."
"Can, du warst alleine in der letzten Woche zweimal zu spät. Vom letzten Halbjahr rede ich gar nicht. Besitzt du keinen Wecker oder wo liegt das Problem?"
Can geht mit keinem Wort auf meine Frage ein. "Biiiitteeeee, lassen Sie mich präsentieren. Soll ich noch eine Entschuldigung schreiben?"
"Nein. Du sollst pünktlich kommen. Am besten fünf Minuten vor dem Klingeln."
"Cüüüs, fünf Minuten? Soll ich vielleicht in der Schule übernachten?? Sie haben zerissen!"
"Can, ich habe noch nie verschlafen. Ich bin jeden Tag mindestens eine halbe Stunde vor dem Unterrichtsbeginn da! Von dir verlange ich nur fünf Minuten."
"Wie Sie zerreissen! Reicht doch. Wie ein russischer Hund. Gibt's russische Hunde?"
Marlon Brando
Heute ist ein echt schöner Tag. Die Sonne scheint, der Frühling kommt, wärmer wird es auch langsam. Mein Tag beginnt heute erst mit der 4. Stunde. Ich bin gut gelaunt. Das Problem ist, meine Schüler sind es auch. Und denken an alles. Außer Unterricht.
Zuerst begegne ich Abdul. "Uuuh, Frau Feynberg, auch schon da? Ausgeschlafen?"
"Abdul, nur weil ich erst jetzt zur Schule komme, heißt es nicht, dass ich vorher nicht gearbeitet habe."
"Aaalleeer, Frau Feynberg, geben Sie ruhig zu. Sie haben bis gerade geschlafen? Ich sehe es an Ihren Augen."
"Aha. Und was genau siehst du in meinen Augen?"
"Die sind so gechillt. Obwohl... Sie sind immer gechillt. Ich glaube, Frauen sind eh immer gut gelaunt. Außer eine Woche im Monat."
"Abdul, du Spasst, du Elender! Wie der Frauen beleidigt. Cüüüsss, Übertreiber!" ruft Nafisa empört.
Ich schaue mich um und sehe, dass Can an der Tafel steht. In der Hand hält er Karteikärtchen. Er möchte eindeutig etwas zum Unterricht beitragen. Toll. Jemand, der doch an Unterricht denkt.
"Guten Morgen, Can. Was machst du da?"
"Ich will Gruppenarbeit machen. Weil ich war doch letztes Mal nicht da. Und Antonio hat gesagt, die konnten nur wegen mir nicht machen. Jetzt will ich aber. Ich bin ja da."
"Can, du hattest verschlafen!"
"Ja und? Ich hab doch Entschuldigung geschrieben. Hier." Er reicht mir ein zusammengeknülltes Blatt.
"Can, ich werde dein Verschlafen nicht entschuldigen. Verschlafen kann man nicht entschuldigen."
"Aber ich hab doch Entschuldigung geschrieben. Soll ich noch mal schöner schreiben? ich schwör, ich kann!"
"Can! Du hast verschlafen! Du warst nicht beim Arzt, du warst nicht krank. Du! Hast! Verschlafen! Du kannst mir höchstens eine schriftliche Ausarbeitung deines Referates geben. Wenn ich nett bin, korrigiere ich die. Aber du kannst jetzt nichts präsentieren. Jetzt brauche ich die Zeit für ein anderes Thema."
"Was Sie für ein Film hier machen! Nur wegen einmal verschlafen..."
"Can, du warst alleine in der letzten Woche zweimal zu spät. Vom letzten Halbjahr rede ich gar nicht. Besitzt du keinen Wecker oder wo liegt das Problem?"
Can geht mit keinem Wort auf meine Frage ein. "Biiiitteeeee, lassen Sie mich präsentieren. Soll ich noch eine Entschuldigung schreiben?"
"Nein. Du sollst pünktlich kommen. Am besten fünf Minuten vor dem Klingeln."
"Cüüüs, fünf Minuten? Soll ich vielleicht in der Schule übernachten?? Sie haben zerissen!"
"Can, ich habe noch nie verschlafen. Ich bin jeden Tag mindestens eine halbe Stunde vor dem Unterrichtsbeginn da! Von dir verlange ich nur fünf Minuten."
"Wie Sie zerreissen! Reicht doch. Wie ein russischer Hund. Gibt's russische Hunde?"
Dienstag, 25. Februar 2014
Sooo tooodesviele Aufgaben
"Aufgabenstellung: Erklären Sie die Welt und geben Sie zwei kurze Beispiele."
Unbekannt
Max hat sich beim Tischler um einen Ausbildungsplatz beworben. Das Vorstellungsgespräch war härter als gedacht. Der Ausbilder wollte nämlich von Max wissen, wie der jetztige Bundespräsident heißt und welcher Partei Angela Merkel angehört. Die Partei hat er noch hinbekommen, beim Bundespräsidenten wurde es schon schwieriger. Ob er nun diesen Ausbildungsplatz bekommt, weiß Max noch nicht. Der Chef wirkte wohl nicht so begeistert. Allgemeinwissen sollte man haben, sagte er. Und die Namen der wichtigsten Politiker kennen. Die Schwerpunkte der politischen Parteienprogramme wären auch nicht schlecht. Man müsse doch wissen, was momentan in seinem Land geschieht. Irgendwo geschieht es ja auch gleichzeitig mit einem selbst, wenn die Politiker was bestimmen. Recht hat er, finde ich. Obwohl das Gespräch gestern war, ist Max' Schockzustand noch allzu gegenwärtig.
"Was hat denn das mit Tischler zu tun? Hat Holz auch eine Partei oder was? Warum muss ich denn sowas wissen?" Finde ich super, dass Max vor der gesamten Klasse seinen Emotionen freien Lauf lässt. Ein Fallbeispiel am eigenen Leib erfahren. Eine Ausbildung zu finden, ist wohl doch nicht so einfach, wie viele hier denken. Und die Devise "wird schon" kann man wohl auch nicht immer anwenden.
Da ich spontan und flexibel bin, reagiere ich sofort auf das politische Desaster. Nach einer kurzen Umfrage, verstehe ich, dass kein einziger in diesem Raum außer mir dieses Vorstellungsgespräch überlebt hätte. Zum Glück haben wir Internet und ich weiß, wo ich suchen muss. Also gucke ich auf einer schlauen Seite und finde ein schlaues Filmchen.
"Oh nee, muss das sein? Fernsehen kann ich zu Hause gucken!" meckert Mirko. "Können Sie mich mal wecken, wenn der Film vorbei ist?"
"Mirko! Zu Hause guckst du bestimmt nicht diese Art von Fernsehen."
"Doooch, ich guck auch mal Nachrichten. Kennen Sie diese bei RTL 2?
"Kenne ich. Und genau deswegen solltest du dir auch andere Sendungen anschauen. Wenigstens ab und zu. Also, Augen auf! Und damit ihr genau hinguckt, gibt es noch ein Arbeitsblatt zum Film."
Zum Glück habe ich meinen USB-Stick mit und somit auch meine Arbeitsblattsammlung. Für jeden Fall des Lebens.
Mandy bekommt das Blatt zuerst. Mit ganz großen Augen dreht sie das Blatt hin und her. Hin und her. "Abou, ich dreh die Seite so um und da sind sooo toooodesviele Aufgaben! Alles nur wegen dir, Max!"
Auch Önder ist derselben Meinung. "Können wir nicht nur Film gucken? Film gucken UND Fragen machen. Bin ich Frau oder was, dass ich telefonieren und Finger lackieren auf einmal kann??"
"Du hast die Aufgabe falsch verstanden. Du sollst nur den Film gucken und ein paar Fragen beantwortet. Von Nagellack war nicht die Rede! Auch nicht vom Telefonieren! Wenn du aufmerksam guckst, ist die Aufgabe quasi schon gelöst!"
Önder legt das Blatt demonstrativ zur Seite.
"Kommt schon Leute! Ich verlange doch hier keine Matheabiturklausur von euch. Önder!"
"Neeeein. Ich verspreche Sie, ich guck und zu Hause mach ich die Hurensohnfragen. Ich kann das Sie auch beweisen. Jetzt noch."
"Ah ja? Und wie?"
"Ich kann schwören!"
"Danke. Aber nein."
Nach vielen Diskussionen, drücke ich auf Play. Kaum jemand hält einen Stift in der Hand. Wenige gucken wirklich den Film. Melina guckt in den Spiegel und unterhält sich dabei mit Mandy. Nicht wirklich leise.
"Melina! Pack den Spiegel weg und guck den Film!"
"Was stört Sie denn? Ich hab nur bisschen meine Lippe angeguckt. Aber nur bisschen. Sie können doch weitergucken!"
Nicht mal Max' Erfahrung bringt die Schüler zur Einsicht. Auch das lebendigste Beispiel ist nicht lebendig genug.
Donnerstag, 20. Februar 2014
Sie stehen in der Sonne
"Was hilft aller Sonnenaufgang, wenn wir nicht aufstehen."
Georg Christoph Lichtenberg
Gestern gab es Gruppenarbeit. Heute gibt es Präsentationen dieser Gruppenarbeit. Eigentlich. Es ist 8. Die Hälfte der Klasse ist nicht da. Einfach nicht da. In jeder Gruppe fehlt jemand. Und natürlich hat gerade der, der nicht anwesend ist alle Materialien, die die Gruppe für das Referat braucht. Ein Traum für jeden Lehrer. Obwohl sie gestern alle putzmunter durch die Klasse gehüpft sind. Die erste Stunde wird überbewertet. Warum muss man da Unterricht machen. Und die wichtigste Frage: mit wem. Isabel spaiziert rein. Die Ubahn war zu spät. Dann kommt Max. Sein Wecker hat nicht geklingelt. Es ist 8:02 Uhr. Ich stehe da und weiß nicht so recht, was ich machen soll. Das hatte ich ganz anders geplant. Na gut, ich warte bis zehn nach. Es kommt keiner mehr. Walmir liegt auf dem Tisch. Genauer gesagt, auf seinem Rucksack.
"Waaaalmir! Aufwachen!"
"Boah, wir machen doch eh noch keinen Unterricht. Lassen Sie mich ma."
"Du bist in der Schule. Tue doch wenigstens so, als ob dich das hier interessieren würde."
"Mach ich doch!"
"Nein, nicht in dem du schläfst."
"Ich bin schlecht gelaunt."
"Warum? Was ist passiert?"
"Sie haben mir heute nicht 'Guten Morgen' gesagt. Als Sie auf Pakplatz gefahren sind. Ich stand da. Und Sie. Sie haben nicht 'Guten Morgen' gesagt. Ich muss immer 'Hallo' sagen. Und Lächeln. Das zwingen Sie mich auch noch."
"Wenn es so war, dann habe ich dich einfach nicht gesehen. Also. Guten Morgen, Walmir. Wo ist dein Geschichtsordner?"
"Kein Plan. Ich hab Kopfweh. Können wir nicht gehen? Is eh keiner da."
Ich stehe da. So ziemlich fassungslos. Die Hälfte nicht da. Und die Hälfte, die da ist, macht die Sache auch nicht besser.
"Sie können anfangen! Machen Sie ma schnell, sonst penn ich wieder ein."
"Junge! Sag ma nicht 'schnell' zu ihr. Sie ist nicht dein Knecht!" ruft Nafisa empört.
"Schreibt man 'schnell' eigentlich mit zwei 'L'?"
"Schlag den Duden auf und guck nach! In der Prüfung musst du auch mit dem Duden arbeiten, das ist doch jetzt eine gute Übung!"
"Cüüüüs, was Übung? Alleee, wie schön das Leben in der Grundschule war! In der 4. Klasse konnte ich alles nachfragen. Da hat keiner gesagt 'guck nach'!"
"Tja, das Leben ist hart, Walmir."
Walmir guckt kurz hoch. "Sie stehen in der Sonne. Gehen Sie ma zur Seite. Bitte."
"Sonne? Wir haben 8 Uhr morgens. Und wir haben Februar."
"Dann Licht halt. Gehen Sie mal ausm Licht. Bitte."
"So, Leute. Es wird hier wohl nicht voller heute. Aber wir sind ja spontan und flexibel."
"Ihr könnte schon mal an dem Diagramm weiterarbeiten."
"Was das? Dia... was??"
Mittwoch, 19. Februar 2014
Eltern sind ein komisches Volk
"Eltern verzeihen ihren Kindern die Fehler am schwersten, die sie ihnen selbst anerzogen haben."
Marie von Ebner-Eschenbach
Eltern sind ein komisches Volk. Eltern sind ein Volk, über die ich mich mehr ärgere. Mehr als über den schlimmsten Schüler dieser Welt. Eltern sind die, die ich eigentlich miterziehen muss. Nicht nur ihre Kinder. Kann man Eltern erziehen? Habe ich ein Recht, sie zu erziehen? Muss ich sie erziehen, kann das nicht jemand anders tun? Ist ja nicht so, dass ich nicht ausreichend Hobbies hätte, denen ich in meiner Freizeit nachgehen könnte. Kann man nicht noch eine Schulpsychologin einstellen und einen Sozialarbeiter zusätzlich? Pro Klasse. Für die Eltern der Schüler.
Jedes Verhalten hat einen Grund. Jedes Kind ist das Produkt gewisser Umstände. Und seiner Eltern. Cans Vater verspätet sich jedes Mal. Egal ob zum Elternabend oder zu einem Gespräch. Nafisa Mutter bittet mich, ihre Tochter für einen Tag zu entschuldigen. Sie muss zum Amt, übersetzen helfen. Dafür kann man einen Tag Schule ausfallen lassen. Auch bei Schnupfen und bei der monatlichen Regel. Auch da muss man die Schule nicht besuchen. Das wird alles entschuldigt. Melinas Mutter begrüßt mich mit den Worten: "Hallo Frau Feynberg, wie geht's dir?" Isabels Mutter schreibt Entschuldigungszettel auf abgerissenen Zetteln. Am besten noch mit Flecken drauf. Es sind eher Stichpunkte, die man da lesen kann. Max' Eltern sind kaum zu erreichen. Wenn ich mich über nicht gemachte Hausaufgaben, fehlende Materialien sowie unentschuldigte Tage beschwere, fragen sie mich, warum ich denn so schlecht gelaunt sei und ob ich nicht freundlicher mit ihnen sprechen könnte. Es ist doch ihr Sohn, der was ausgefressen hat. Sie sind es nicht. Oder Önders Mutter, die mir nach 20 Uhr eine SMS schreibt und fragt, welche Hausaufgaben Önder zu morgen erledigen soll. Oder, oder, oder. Ich rege mich über die Schüler auf. Doch dann treffe ich ihre Eltern. Und sehe die Welt plötzlich mit ganz anderen Augen. Und dann versuche ich zu verstehen. Warum etwas so ist, wie es ist. Und ich frage mich. Ob das überhaupt möglich ist. Gegen diese Erziehung zu Hause, gegen diese Werte, die keine sind, gegen die zahlreichen Erlebnisse, die die Schüler schon geprägt hatten, bevor wir uns kannten, anzugehen. Ich rede und rede und rede. Und dann kommen die Eltern und machen genau das Gegenteil. Peng. Das, was ich da geredet habe, ist auf einmal nichts mehr wert. Nicht das Geringste. Die Schule muss bilden und erziehen. Die Eltern erziehen und bilden. Eigentlich erziehe ich. Und bilde nebenbei. Doch wie viel Erziehung bleibt tatsächlich hängen? Wie viel Kampf lohnt sich? Wie viel Preis zahlt man für welches Ergebnis?
Marie von Ebner-Eschenbach
Eltern sind ein komisches Volk. Eltern sind ein Volk, über die ich mich mehr ärgere. Mehr als über den schlimmsten Schüler dieser Welt. Eltern sind die, die ich eigentlich miterziehen muss. Nicht nur ihre Kinder. Kann man Eltern erziehen? Habe ich ein Recht, sie zu erziehen? Muss ich sie erziehen, kann das nicht jemand anders tun? Ist ja nicht so, dass ich nicht ausreichend Hobbies hätte, denen ich in meiner Freizeit nachgehen könnte. Kann man nicht noch eine Schulpsychologin einstellen und einen Sozialarbeiter zusätzlich? Pro Klasse. Für die Eltern der Schüler.
Jedes Verhalten hat einen Grund. Jedes Kind ist das Produkt gewisser Umstände. Und seiner Eltern. Cans Vater verspätet sich jedes Mal. Egal ob zum Elternabend oder zu einem Gespräch. Nafisa Mutter bittet mich, ihre Tochter für einen Tag zu entschuldigen. Sie muss zum Amt, übersetzen helfen. Dafür kann man einen Tag Schule ausfallen lassen. Auch bei Schnupfen und bei der monatlichen Regel. Auch da muss man die Schule nicht besuchen. Das wird alles entschuldigt. Melinas Mutter begrüßt mich mit den Worten: "Hallo Frau Feynberg, wie geht's dir?" Isabels Mutter schreibt Entschuldigungszettel auf abgerissenen Zetteln. Am besten noch mit Flecken drauf. Es sind eher Stichpunkte, die man da lesen kann. Max' Eltern sind kaum zu erreichen. Wenn ich mich über nicht gemachte Hausaufgaben, fehlende Materialien sowie unentschuldigte Tage beschwere, fragen sie mich, warum ich denn so schlecht gelaunt sei und ob ich nicht freundlicher mit ihnen sprechen könnte. Es ist doch ihr Sohn, der was ausgefressen hat. Sie sind es nicht. Oder Önders Mutter, die mir nach 20 Uhr eine SMS schreibt und fragt, welche Hausaufgaben Önder zu morgen erledigen soll. Oder, oder, oder. Ich rege mich über die Schüler auf. Doch dann treffe ich ihre Eltern. Und sehe die Welt plötzlich mit ganz anderen Augen. Und dann versuche ich zu verstehen. Warum etwas so ist, wie es ist. Und ich frage mich. Ob das überhaupt möglich ist. Gegen diese Erziehung zu Hause, gegen diese Werte, die keine sind, gegen die zahlreichen Erlebnisse, die die Schüler schon geprägt hatten, bevor wir uns kannten, anzugehen. Ich rede und rede und rede. Und dann kommen die Eltern und machen genau das Gegenteil. Peng. Das, was ich da geredet habe, ist auf einmal nichts mehr wert. Nicht das Geringste. Die Schule muss bilden und erziehen. Die Eltern erziehen und bilden. Eigentlich erziehe ich. Und bilde nebenbei. Doch wie viel Erziehung bleibt tatsächlich hängen? Wie viel Kampf lohnt sich? Wie viel Preis zahlt man für welches Ergebnis?
Dienstag, 18. Februar 2014
Kann man doch löschen
"Das Internet ist für uns alle Neuland."
Angela Merkel
Ich halte den Lebenslauf von Önder in der Hand. Bei den Hobbys steht 'Facebook chillen'. Die Email-Adresse lautet: derbabo44@hotmail.de. Und das nachdem ich den Kiddies bereits seit 3,5 Jahren erzähle, dass eine Email-Adresse aus Vornamen und Nachnamen, nur Nachnamen oder einer Mischung aus beidem bestehen soll. Gerade für Bewerbungszwecke.
"Önder, finde den Fehler auf dem Blatt!"
"Hä? Is doch perfekt!"
"Perfekt ist, wenn ich zehn Stunden am Stück schlafen kann. Das hier ist nicht perfekt. Also?"
"Wort falsch? Aber sagen Sie jetzt nich, ich soll Duden holen. Wie ich dem hasse, diese Häßlichkeit! Welches Opfer macht so ein dickes Buch??"
"Nein, kein Wort. Und auch der Duden kann nichts dafür. Guck genau hin!"
"Aaalllee, ich hab kein Bock zu gucken! Sie können mir schon mal 6 geben. Ich heul auch nicht. Schwör."
"Wir kennen uns doch nicht seit gestern, Önder. Es gehört nicht zu meinen Hobbys, euch schlechte Noten zu geben. Facebook chillen übrigens auch nicht."
"Ah soooo! Das meinen Sie! Is schlecht oda was?"
"Auch das, ja. Was ist denn das für ein Hobby, Facebook chillen?"
"Jaaa, Facebook halt. Fotos, Party und so."
"Was auch immer du da für Fotos hast.. ihr solltet alle überlegen, was ihr da postet! Die Arbeitgeber gucken nämlich auch da nach, während sie überlegen, wen man einstellen soll und wen nicht."
Hier mischt sich Can ein. "Ja stimmt, was du gestern über mich geschrieben hast. Frau Feynberg, das war Mobbing!!"
"Can, du kleine Missgeburt! Halt die Fresse!"
"Önder! Du wolltest heute sicher nett sein..."
"Immer ich!" antwortet Önder empört. "Darf ich nicht meine Meinung sagen? Alle dürfen, nur ich nicht. Er ist doch eine Missgeburt. Meine Meinung."
"Und Mobbing, Önder, kann zu einer Anzeige führen!"
Mandy hat eine Idee. "Aber ist doch egal. Kann man doch löschen."
"Mensch Leute, man kann bei Facebook nichts löschen. Nicht endgültig. Wenn es einmal da ist, ist es da. Haalloo? Das läuft doch gerade hoch und runter in den Nachrichten. Hat jemand eine Idee, worüber ich spreche?"
25 leere Augenpaare schauen mich an.
"Hmmm, Nachrichten." Mandy denkt total angestrengd nach. "Nachrichten... Meinen Sie, Olympische Spiele?"
"Leute, habt ihr schon was von der NSA gehört?"
Und schon wieder. 25 leere Augenpaare.
Mandy versucht sich zu retten. "Ich wollt nur testen. Ich weiß doch, dass im Internet nix verschwindet. Wie Sie sich aufregen. Wieso sind Sie so schlecht gelaunt? Haben Sie Hass auf mich?"
"Ok, wir machen es ab jetzt so. Jeden Freitag wird hier ein Zeitungsartikel vorgestellt. Jeder ist einmal dran. Ihr müsst wissen, was um euch herum passiert."
"Nur Deutschland oder auch Ausland? Weil ich hab gehört, aus Bayern kommen jetzt Lehrer nach Berlin. Kann ich darüber machen?"
Ich gucke Melina total verdattert an.
"Hä? Is nich Ausland?"
Angela Merkel
Ich halte den Lebenslauf von Önder in der Hand. Bei den Hobbys steht 'Facebook chillen'. Die Email-Adresse lautet: derbabo44@hotmail.de. Und das nachdem ich den Kiddies bereits seit 3,5 Jahren erzähle, dass eine Email-Adresse aus Vornamen und Nachnamen, nur Nachnamen oder einer Mischung aus beidem bestehen soll. Gerade für Bewerbungszwecke.
"Önder, finde den Fehler auf dem Blatt!"
"Hä? Is doch perfekt!"
"Perfekt ist, wenn ich zehn Stunden am Stück schlafen kann. Das hier ist nicht perfekt. Also?"
"Wort falsch? Aber sagen Sie jetzt nich, ich soll Duden holen. Wie ich dem hasse, diese Häßlichkeit! Welches Opfer macht so ein dickes Buch??"
"Nein, kein Wort. Und auch der Duden kann nichts dafür. Guck genau hin!"
"Aaalllee, ich hab kein Bock zu gucken! Sie können mir schon mal 6 geben. Ich heul auch nicht. Schwör."
"Wir kennen uns doch nicht seit gestern, Önder. Es gehört nicht zu meinen Hobbys, euch schlechte Noten zu geben. Facebook chillen übrigens auch nicht."
"Ah soooo! Das meinen Sie! Is schlecht oda was?"
"Auch das, ja. Was ist denn das für ein Hobby, Facebook chillen?"
"Jaaa, Facebook halt. Fotos, Party und so."
"Was auch immer du da für Fotos hast.. ihr solltet alle überlegen, was ihr da postet! Die Arbeitgeber gucken nämlich auch da nach, während sie überlegen, wen man einstellen soll und wen nicht."
Hier mischt sich Can ein. "Ja stimmt, was du gestern über mich geschrieben hast. Frau Feynberg, das war Mobbing!!"
"Can, du kleine Missgeburt! Halt die Fresse!"
"Önder! Du wolltest heute sicher nett sein..."
"Immer ich!" antwortet Önder empört. "Darf ich nicht meine Meinung sagen? Alle dürfen, nur ich nicht. Er ist doch eine Missgeburt. Meine Meinung."
"Und Mobbing, Önder, kann zu einer Anzeige führen!"
Mandy hat eine Idee. "Aber ist doch egal. Kann man doch löschen."
"Mensch Leute, man kann bei Facebook nichts löschen. Nicht endgültig. Wenn es einmal da ist, ist es da. Haalloo? Das läuft doch gerade hoch und runter in den Nachrichten. Hat jemand eine Idee, worüber ich spreche?"
25 leere Augenpaare schauen mich an.
"Hmmm, Nachrichten." Mandy denkt total angestrengd nach. "Nachrichten... Meinen Sie, Olympische Spiele?"
"Leute, habt ihr schon was von der NSA gehört?"
Und schon wieder. 25 leere Augenpaare.
Mandy versucht sich zu retten. "Ich wollt nur testen. Ich weiß doch, dass im Internet nix verschwindet. Wie Sie sich aufregen. Wieso sind Sie so schlecht gelaunt? Haben Sie Hass auf mich?"
"Ok, wir machen es ab jetzt so. Jeden Freitag wird hier ein Zeitungsartikel vorgestellt. Jeder ist einmal dran. Ihr müsst wissen, was um euch herum passiert."
"Nur Deutschland oder auch Ausland? Weil ich hab gehört, aus Bayern kommen jetzt Lehrer nach Berlin. Kann ich darüber machen?"
Ich gucke Melina total verdattert an.
"Hä? Is nich Ausland?"
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