"Im Lobe ist mehr Zudringlichkeit als im Tadel."
Friedrich Wilhelm Nietzsche
Es klingelt. Ich bin geschafft. Sind denn wirklich erst vier Tage seit den Ferien vergangen?
Die Schüler scheinen genauso erfreut über das Klingelzeichen zu sein. Munter stürmen sie in den Flur. Lediglich Can bleibt stehen.
"Frau Feynberg... ich wollt nur sagen... also... ich war in diesem Büro. Wegen Ausbildung!"
Ich bin sofort hellwach. "Und und?"
"Die haben mich gelobt. Ich verstehe das gar nicht." Wie abwesend fügt noch einmal hinzu: "Gelobt... die haben mich gelobt..."
"Super! Dann scheinst du ja etwas richtig gemacht zu haben! Lob ist toll!"
"Ja.. schon... die haben gesagt, ist voll gut, dass ich denen Lebenslauf und Bewerbung gebracht habe. Ah so.. und dass ich noch angerufen habe. Wegen Termin. Die haben noch gesagt, ich habe gute Chancen und so. Der Mann muss noch mit seinem Kollegen oder so sprechen."
"Das sind ganz ganz tolle Nachrichten! Toll, ich freue mich sehr!"
"Ja aber.. Lob und so. Sie haben uns ja gezeigt, wie man Bewerbung macht. Und das mit dem Anruf auch. Also.. ich wollte noch Danke sagen. Sie haben mir ja auch gesagt, ich soll dahin gehen."
"Sehr gerne! Halte mich auf dem Laufenden!"
"Ok. Tschüß. Und schönen Tag noch."
Can geht zur Tür, bleibt aber dann stehen. "Und noch was, Frau Feynberg. Ich bin stolz auf mich..." sagt er ganz leise.
Und dann verstehe ich wieder einmal, dass ich den schönsten Beruf überhaupt habe.
http://www.kiwi-verlag.de/buch/ich-werd-sowieso-rapper/978-3-462-04585-7/
Donnerstag, 9. Januar 2014
Mittwoch, 8. Januar 2014
Hatten Sie diese Vögel?
„Richtig verheiratet ist der Mann erst dann, wenn er jedes Wort versteht, das seine Frau nicht gesagt hat.“
Alfred Hitchcock
Ich bin mitten im Unterricht. Gerade bei der Kommasetzung. Da schreit Isabel: "Aaaaaah, sie hat ein Ring, Sie hat ein Ring! Frau Faaaaynberg! Geheiratet oda was??"
Die Klasse stöhnt und Önder antwortet: "Cüs, Mädchen! Was los mit dein Gedächtnis? Als deine Mutter dir gesagt hat, bring Müll raus, hast du dein Gedächtnis weggeschmissen? Frau Feynberg hat Tausendmillionenmal vor Ferien gesagt, die heiratet!"
Isabel ist platt. "Echt? So richtig geheiratet? Mit weißes Kleid? Und hatten Sie diese Vögel? Wie heißen die? Diese... Tauben?"
"Nein, wir hatten keine Tauben."
"Aber weißes Kleid wie Prinzessin?"
"Ja, weißes Kleid. Können wir jetzt weitermachen mit Kommasetzung?"
"Ooooh, wie schön. Ja ok, ich stell keine Fragen mehr. Komma."
Nafisa möchte sich nicht mit der Kommasetzung auseinandersetzen und sagt: "Frau Feynberg, bringen Sie ma Fotos."
"Nein."
"Biiiittteeee, ich will soooo sehr sehen!"
"Meine Hochzeit. Meine Fotos. Nein."
"Aber sagen Sie dann... ist Ihr Mann auch Jude?"
"Ja."
"Schwören Sie! Miesgeil! Ich kenn jetzt zwei Juden, Sie und Ihre Mann! Verdient Ihr Mann viel?"
Auch hier reagiert Önder: "Als ob Frau Faynberg den wegen Geld heiratet! Hauptsache Gesundheit, wa, Frau Feynberg?"
"Genau, Önder! Und Nafisa, du kennst meinen Mann doch gar nicht?!"
"Egal. Aber ich kenn Sie. Das ist so wie... ich kenne Ihre Mann."
"In 15 Jahren will ich auch heiraten," erklärt Mandy. "Aber auf jeden Fall mit Tauben. Und vielleicht Limousine. Nee, habe ich 15 gesagt? Da bin ich ja 33. Nee, 32. Nee, 31. Scheiße, wie alt bin ich dann? Neee, vooooll alt schon. Ich heirate in 8 oder so. Aber mir ist schon bisschen wichtig, dass der Mann gut verdient!"
"Ok Leute, es reicht. Ihr könnt mir gerne in der Pause weitere Fragen stellen. Jetzt arbeitet jeder mit seinem Partner. Melina, wo ist dein Partner?"
"Sie hat keinen Partner, sie ist Single! Nicht so wie Sie!"
Hier denkt niemand an Deutsch. Niemand. Nur ich.
"Also, ich finde Heirat macht gar keinen Sinn." David hat bisher kein Wort gesagt. Auf einmal scheint er, wach zu sein. "Man lässt sich eh wieder scheiden. Und Kinder will ich auch nicht, kosten nur Geld." David guckt ganz traurig.
"Ich hab noch eine Frage, Frau.. Feynberg!"
"Isabel, du hast doch schon alle möglichen Fragen gestellt..."
"Neeein, ich habe noch eine. Letzte, wirklich! Versprochen... was war noch mal die Frage? Ah ja! Haben Sie schon Flitterwochen gemacht?"
"Nein."
"Wann machen Sie?"
"Möchtest du, dass wir jetzt sofort wegfahren oder warum fragst du?"
"Nein, ich wollt nur fragen, wie viele Wochen Sie dann bleiben? 10?"
Dienstag, 7. Januar 2014
Warum soll ich Sie anrufen?
"Wenn eine Frau beim Telefonieren 'Also bis bald' sagt, beginnt die letzte Viertelstunde des Gesprächs.“
Chris Howland
Zwei Wochen sind kurz. Für mich zumindest. Ich wäre dafür, die Ferien zu verlängern.
Für die Kiddies sind sie viel zu lang. Zwei lange Wochen, in denen man an alles denkt, außer Schule. Obwohl man Hausaufgaben hatte. Obwohl MSA ansteht. Obwohl Lesen empfohlen wurde. Zwei Wochen, in denen man an alles denkt. Außer an Pünktlichkeit, Ordnung und Verantwortung.Viel zu lange zwei Wochen.
Wir haben also wieder Schule. Und ich muss wieder an den Anfang.
Abdul ist krank, vergisst aber, sich abzumelden. Seine Eltern denken erst gar nicht dran. Ich rufe bei Abdul an. In der Pause. Um 9:40 Uhr.
"Hallo, hier ist Frau Feynberg, ist Abdul zu Hause?"
"Ja, aber schläft??!" Die Mutter scheint total überrascht zu sein, dass ich anrufe.
"Er muss aber seit 8 Uhr in der Schule sein. Die Schule hat wieder angefangen. Ferien sind vorbei!"
"Ja, aber Ferien auch krank."
"Er ist krank?"
"Sehr krank. In Ferien."
"Ja, das verstehe ich. Aber jetzt ist Schule. Keine Ferien mehr. Und gestern war er doch da?!"
"Gestern nicht krank. Jetzt auch krank."
"Er ist also immer noch krank?"
"Ja, immer krank."
"Und warum hat keiner angerufen, um ihn krankzumelden?"
"Ja. Nicht gut. Später Abdul geht Arzt und später Sie anrufen. 5 Uhr." Warum er erst um 5 Uhr zum Arzt geht, ist eine gute Frage. Ich stelle sie aber nicht.
"Wenn Abdul krank sein sollte, müssen Sie in der Schule anrufen! Oder eben Abdul. Er kann auch mich anrufen. Ich muss als Klassenlehrerin wissen, wo Ihr Sohn ist. Es könnte ja auch sein, dass etwas passiert ist!"
"Neeeein, nix passiert. Krank. Nur krank. Wissen Sie?"
"Ok... Gute Besserung und sagen Sie ihm, er soll mich anrufen, nachdem er beim Arzt war."
"Anrufen? Schule?"
"Nein, mich anrufen. Nach 14 Uhr erreichen Sie in der Schule niemanden mehr. Er soll mich anrufen und mir sagen, wie lange er krankgeschrieben ist."
"Ok. Sage ich. Danke Frau Feynberg."
Abdul hat sich bis jetzt nicht gemeldet.
In der zweiten Pause rufe ich Nafisa an. Pausen werden einfach überbewertet. Auch sie ist nicht erschienen. Weder gestern noch heute. Weder gestern noch heute gab es eine Meldung. Mittlerweile haben wir nach 11 Uhr. Nafisas Handy ist aus. Die freundliche Dame teilt mir mit, dass der Anrufer per SMS benachrichtigt wird. Die einzige Handynummer, die ich von der Mutter habe, funktioniert genauso wenig. Zu Hause geht auch keiner dran. Na super. Wenn es so weitergeht, muss ich vorbeifahren. Ätzend. Wenigstens sind alle anderen da. Heute sogar alle pünktlich. Gestern habe ich die erste Stunde mit der Hälfte der Klasse begonnen.
Um 16 Uhr nochwas klingelt meint Handy. Nur einmal. Nafisa lässt klingeln.
"Hallo?"
"Nafisa! Wo steckst du?"
"Was schreien Sie so? Ich bin krank! Vooooll die Kopfschmerzen. Und ich musste sogar dreimal kotzen. Sind so eklige Stückchen rausgekommen."
"Sehr interessant... Und warum hast du dich Montag früh nicht gemeldet? Ich muss wissen, wo ihr seid!"
"Hab ich! Schwöre!"
"Du brauchst nicht zu schwören, sondern dich nur pünktlich abmelden! Ist es denn zu viel verlangt??"
"Ich hab angerufen. Auf Ihrem Handy, aber da war keiner!"
"Wie?? Da war keiner?"
"Ist Ihr Handy vielleicht kaputt? Ich hab gestern den gaaanzen Tag angerufen. Die Nummer auf der Liste. Ist doch Ihre?" Nafisa diktiert mir die Nummer. Sie stimmt.
"Nafisa, mein Handy ist absolut in Ordnung! Du kannst gestern gar nicht den ganzen Tag angerufen haben!"
"Dooooch! Und dann noch Sekretariat! Was machen Sie für Filme? Blockbuster, ey! Das ist doch alles vorgeplant! Warum soll ich Sie anrufen? Was soll's bringen? Damit Sie mich mit Ihren Fragen voll knechten??"
Montag, 4. November 2013
P
"Erfolg hat drei Buchstaben: TUN!"
J.W. Goethe
MSA, was war das nochmal? Können wir nicht den Stoff der Grundschule wiederholen und uns dann langsam Richtung MSA vortasten? Aber ganz langsam.
Es klingelt. Ich stehe vor der Hälfte der Klasse. Und frage mich, wo die anderen bleiben. Schließlich wollen wir uns heute den ganzen Tag Mathe und Deutsch widmen- Vorbereitung für den MSA. Superwichtig. Fünf nach rennt Nafisa rein, schmeißt ihre Jacke neben den Tisch und sich selbst auf den Stuhl. Der Stuhl schwankt ein wenig, bleibt aber stehen. Und Nafisa bleibt sitzen.
Sie wischt sich den Schweiß von der Stirn. "Aaaaler, was ne Hitze!"
"Hitze? Mir war heute richtig kalt, als ich zum Auto lief!"
"Sie müssen S-Bahn fahren, Frau Feynberg! Da war voll die krasse warme Heizung. Vielleicht ist ihre Heizung in Auto kaputt? Müssen Sie ihr Ferrari Werkstatt bringen."
"Ferrari wäre schön.. Ich lief zum Auto, als mir kalt war. Und stell dir vor, da hatte ich keine Heizung um mich rum. Im Auto war es dann warm."
"Ah so.. ja egal. Lassen Sie Deutsch machen. Ich muss MSA schaffen!"
"Gute Idee. Nehmt alle eure Deutschhefter raus."
Ich muss jeden Einzelnen dazu auffordern. Von alleine geht da gar nichts.
"Timm, wo ist dein Hefter?"
"Hier, ich hab doch! Immer ich..."
"Alles klar, schon mal gut. Und wo ist das Arbeitsblatt von letzter Woche?"
Timm fängt an, in seinem Ordner zu blättern.
"Warte mal... ähm.. warten Sie mal..."
Plötzlich sehe ich ein Blatt mit Dreiecken in Timms Ordner. "Timm, was macht denn ein Mathe-Arbeitsblatt in deinem Deutschordner? Ich halte es für eine Superidee, wenn du deine Ordner mal ordnen würdest." Timm schaut mich verdattert an. "Hä? Ist das Mathe?"
"Nein, das ist Musik. Sieht man doch."
"Hä??"
"Vergiss es, einmal Ordner ordnen bitte. Bis morgen." Timm seufzt.
"Ich schwöre, diese Kackschule. Können wir nicht Internetfach haben? Internet hat mir mehr beigebracht als Schule!"
"Bevor es ans Internet geht, müssen wir leider bisschen Deutsch machen. Fangen wir mit den Zeiten an. Wie nennt man denn die Gegenwartsform eines Verbs?" Ratlose Gesichter.
"Sagen Sie mal erste Buchstabe."
"Nein."
"Biiiitte!!"
"Na gut. P."
"Plural?"
"Pronomen?"
"1. Person Singular?"
"Präteritum?"
"Leute, bitte!! Habt ihr schon mal was von Präsens gehört??"
"Klaaaar!" sagt Abdul, rollt mit den Augen und klopft sich an die Stirn.
Präteritum und Perfekt kriegen wir dann auch hin.
"Was kommt danach?"
Ratlose Gesichter.
Mirko springt vor Aufregung auf. "Ich weiß, ich weiß... dieses Ding.. wie heißt das? Minusquamperfekt! Nein! Plusquamperfekt, aber mit Minus kann ich es mir besser merken."
Und übrigens... mein Buch kann man ab heute kaufen! "Ich werd sowieso Rapper" geht unter die Bücher. Und da ich bisschen stolz drauf bin, freue ich mich seeehr, wenn es viele Leser findet. Cheers.
J.W. Goethe
MSA, was war das nochmal? Können wir nicht den Stoff der Grundschule wiederholen und uns dann langsam Richtung MSA vortasten? Aber ganz langsam.
Es klingelt. Ich stehe vor der Hälfte der Klasse. Und frage mich, wo die anderen bleiben. Schließlich wollen wir uns heute den ganzen Tag Mathe und Deutsch widmen- Vorbereitung für den MSA. Superwichtig. Fünf nach rennt Nafisa rein, schmeißt ihre Jacke neben den Tisch und sich selbst auf den Stuhl. Der Stuhl schwankt ein wenig, bleibt aber stehen. Und Nafisa bleibt sitzen.
Sie wischt sich den Schweiß von der Stirn. "Aaaaler, was ne Hitze!"
"Hitze? Mir war heute richtig kalt, als ich zum Auto lief!"
"Sie müssen S-Bahn fahren, Frau Feynberg! Da war voll die krasse warme Heizung. Vielleicht ist ihre Heizung in Auto kaputt? Müssen Sie ihr Ferrari Werkstatt bringen."
"Ferrari wäre schön.. Ich lief zum Auto, als mir kalt war. Und stell dir vor, da hatte ich keine Heizung um mich rum. Im Auto war es dann warm."
"Ah so.. ja egal. Lassen Sie Deutsch machen. Ich muss MSA schaffen!"
"Gute Idee. Nehmt alle eure Deutschhefter raus."
Ich muss jeden Einzelnen dazu auffordern. Von alleine geht da gar nichts.
"Timm, wo ist dein Hefter?"
"Hier, ich hab doch! Immer ich..."
"Alles klar, schon mal gut. Und wo ist das Arbeitsblatt von letzter Woche?"
Timm fängt an, in seinem Ordner zu blättern.
"Warte mal... ähm.. warten Sie mal..."
Plötzlich sehe ich ein Blatt mit Dreiecken in Timms Ordner. "Timm, was macht denn ein Mathe-Arbeitsblatt in deinem Deutschordner? Ich halte es für eine Superidee, wenn du deine Ordner mal ordnen würdest." Timm schaut mich verdattert an. "Hä? Ist das Mathe?"
"Nein, das ist Musik. Sieht man doch."
"Hä??"
"Vergiss es, einmal Ordner ordnen bitte. Bis morgen." Timm seufzt.
"Ich schwöre, diese Kackschule. Können wir nicht Internetfach haben? Internet hat mir mehr beigebracht als Schule!"
"Bevor es ans Internet geht, müssen wir leider bisschen Deutsch machen. Fangen wir mit den Zeiten an. Wie nennt man denn die Gegenwartsform eines Verbs?" Ratlose Gesichter.
"Sagen Sie mal erste Buchstabe."
"Nein."
"Biiiitte!!"
"Na gut. P."
"Plural?"
"Pronomen?"
"1. Person Singular?"
"Präteritum?"
"Leute, bitte!! Habt ihr schon mal was von Präsens gehört??"
"Klaaaar!" sagt Abdul, rollt mit den Augen und klopft sich an die Stirn.
Präteritum und Perfekt kriegen wir dann auch hin.
"Was kommt danach?"
Ratlose Gesichter.
Mirko springt vor Aufregung auf. "Ich weiß, ich weiß... dieses Ding.. wie heißt das? Minusquamperfekt! Nein! Plusquamperfekt, aber mit Minus kann ich es mir besser merken."
Und übrigens... mein Buch kann man ab heute kaufen! "Ich werd sowieso Rapper" geht unter die Bücher. Und da ich bisschen stolz drauf bin, freue ich mich seeehr, wenn es viele Leser findet. Cheers.
Freitag, 25. Oktober 2013
Geht's auch ohne Schock?
"Erst muß es zum totalen Offenbarungseid und zum Schock kommen. Erst dann kann man erfolgreich mit einen neuen Aufbau beginnen."
Franz Josef Strauß
"Frau Feynberg, ich schwör, gleich erwartet Sie so ein krasser Schock! Sind Sie bereit?" Önder begrüßt mich bereits an der Tür und weiß anscheinend etwas, was ich noch nicht weiß.
"Geht's auch ohne Schock?"
"Nein, Frau Feynberg, ist schon zu spät. Übertrieben zu spät. Sind Sie bereit?"
"Önder, kannst du bitte aufhören, mich verrückt zu machen??"
"Ja.. aber nein.. aber sind Sie bereit?!"
"Önder! Sprich endlich! Was ist passiert?"
"Die Hälfte der Klasse hat diesen behinderten Zettel für MSA vergessen."
Oh nein, bitte nicht... Ich fange an, leise zu zählen, wie oft ich gestern an das Schreiben erinnert habe und wie oft ich sagte, es sei wichtig. Bringt ja alles nichts. Es ist wie es ist.
"Aaaller Frau Feynberg, gucken Sie ma nicht so wie Tannenbaum im Winter. Ähmm, nicht Tannenbaum, der ist ja nicht nackt. Also im Winter nicht. Also, ich meine so normale Baum. Ohne Blätter. Sie wissen schon, also gucken Sie nicht so wie ein nackter Baum im Winter. Sie wissen schon."
Ich schweige. Mein Tag ist eigentlich schon gelaufen. Und er hat noch nicht mal richtig angefangen.
"Ich hab Ihre Stimmung zerstört... Soll ich Unterricht machen? Diese verrosteten Kinder, können die sich das nicht merken? Wie behindert die sind. Ich sag Ihnen, die können die Prüfung vergessen, diese Missgeburten, sollen sterben gehen!"
Mittlerweile sind wir in der Klasse angekommen. Hier tobt das Leben. Keine Prüfung in Sicht. Önder redet weiter. Dicht an meinem Kopf fliegt eine Papierkugel vorbei. Eine richtig große.
"Miiiirko!!"
"Was?"
"Kannst du bitte aufstehen, wenn du etwas wegschmeißen möchtest? Das ist hier kein Basketballfeld, sondern ein Klassenraum!"
"Ja und? Aber wenn ich doch Ordnungsdienst habe, dann kann ich doch schmutzig machen. Is doch egal. Ich mach Dreck, ich mach weg. Uuuuhhh, haben Sie gehört? Rapper undso? Was geht?"
"Mirko, fürs Rappen gibt es keinen Abschluss!"
Plötzlich wird Mirko still. Und seine Augen riesig. "Aaaaler, Scheißendreck! Dieses Hurenblatt, ich hab dem zu Hause!"
"Herzlichen Glückwunsch, du hast keinen Abschluss gewonnen!"
"Aaaler, machen Sie ma keine Scherze, is mein Abschluss."
"Eben!! Dein Abschluss! Nicht meiner! Und es ist mir ein Rätsel, wie man so ein wichtiges Blatt an dem letzten Tag überhaupt vergessen kann! Ein RÄTSEL!"
Es hat noch nicht mal zur Stunde geklingelt. Die Tür geht auf. Nafisa rennt rein.
"Tut mir voll leid, Frau Feynberg. Ich dachte, wir haben Raum 105 und dann waren Sie da nicht und dann bin ich Sekretariat und dann bin ich Lehrerzimmer. Und ich hatte voll Panik. Aber ich bin so gut, dann dachte ich, Sie sind bestimmt Klassenraum."
"Ist ja auch so überraschend, dass wir im Klassenraum sind. Außerdem habe ich doch nichts gesagt."
"Ah so... hat noch gar nicht geklingelt? Ich Opfer. Zum Glück schimpfen Sie nicht!"
"Hast du den Zettel für den MSA mit?"
"Cüüüs, nur heute oda?"
"Genau. Nur noch heute."
"Vergessen. Hab meine Mutter gar nicht gesehen. Was kann ich dafür, wenn die so spät kommt. Glaub, die hatte Spätschicht. Ich kann die doch nicht wecken, wenn die schläft."
"Nafisa! Du hattest mehrere Wochen Zeit!" Ich werde lauter, das darf doch nicht wahr sein..
"Mehrere Wochen.. Haben Sie gar nicht gesagt!"
"Stimmt, wir haben noch nie, kein einziges Mal über den MSA gesprochen!!"
"Ich gehe jetzt aber nicht nach Hause, Zettel holen. Is mieskalt draußen!"
"Schön, dass du dir anscheinend mehr Sorgen über das Wetter, als über deinen Abschluss machst!"
"Übetreiberin, aaaller!" sagt Nafisa ganz leise und läuft zu ihrem Platz.
Prüfungen werden überbewertet. Die fallen einfach vom Himmel...
"Welches Thema hatten Sie in der Präsentationsprüfung?"
"Als ich Abi gemacht habe, gab's noch keine Präsentationsprüfung. Ich hatte nur eine einfach mündliche Prüfung und wurde abgefragt."
"Wann haben Sie denn Abi gemacht?? Steinzeit??"
"Nein, aber das spielt jetzt auch gar keine Rolle. Ich muss überlegen, was wir mit denen machen, die das Blatt vergessen haben. Ihr könnt schon mal Deutsch auspacken."
"Deutsch? Haben wir Deutsch?"
"Was steht denn auf deinem Stundenplan?"
"Deutsch.. Ah so, Deutsch.. Sagen Sie es doch gleich!"
"Könnt ihr bitte aufwachen und nicht verträumt durch die Schule laufen?? Ihr macht es für euch, nicht für mich! Ich habe meinen Abschluss schon!"
"Uuuh, läuft bei Ihnen Frau Feynberg!"
Franz Josef Strauß
"Frau Feynberg, ich schwör, gleich erwartet Sie so ein krasser Schock! Sind Sie bereit?" Önder begrüßt mich bereits an der Tür und weiß anscheinend etwas, was ich noch nicht weiß.
"Geht's auch ohne Schock?"
"Nein, Frau Feynberg, ist schon zu spät. Übertrieben zu spät. Sind Sie bereit?"
"Önder, kannst du bitte aufhören, mich verrückt zu machen??"
"Ja.. aber nein.. aber sind Sie bereit?!"
"Önder! Sprich endlich! Was ist passiert?"
"Die Hälfte der Klasse hat diesen behinderten Zettel für MSA vergessen."
Oh nein, bitte nicht... Ich fange an, leise zu zählen, wie oft ich gestern an das Schreiben erinnert habe und wie oft ich sagte, es sei wichtig. Bringt ja alles nichts. Es ist wie es ist.
"Aaaller Frau Feynberg, gucken Sie ma nicht so wie Tannenbaum im Winter. Ähmm, nicht Tannenbaum, der ist ja nicht nackt. Also im Winter nicht. Also, ich meine so normale Baum. Ohne Blätter. Sie wissen schon, also gucken Sie nicht so wie ein nackter Baum im Winter. Sie wissen schon."
Ich schweige. Mein Tag ist eigentlich schon gelaufen. Und er hat noch nicht mal richtig angefangen.
"Ich hab Ihre Stimmung zerstört... Soll ich Unterricht machen? Diese verrosteten Kinder, können die sich das nicht merken? Wie behindert die sind. Ich sag Ihnen, die können die Prüfung vergessen, diese Missgeburten, sollen sterben gehen!"
Mittlerweile sind wir in der Klasse angekommen. Hier tobt das Leben. Keine Prüfung in Sicht. Önder redet weiter. Dicht an meinem Kopf fliegt eine Papierkugel vorbei. Eine richtig große.
"Miiiirko!!"
"Was?"
"Kannst du bitte aufstehen, wenn du etwas wegschmeißen möchtest? Das ist hier kein Basketballfeld, sondern ein Klassenraum!"
"Ja und? Aber wenn ich doch Ordnungsdienst habe, dann kann ich doch schmutzig machen. Is doch egal. Ich mach Dreck, ich mach weg. Uuuuhhh, haben Sie gehört? Rapper undso? Was geht?"
"Mirko, fürs Rappen gibt es keinen Abschluss!"
Plötzlich wird Mirko still. Und seine Augen riesig. "Aaaaler, Scheißendreck! Dieses Hurenblatt, ich hab dem zu Hause!"
"Herzlichen Glückwunsch, du hast keinen Abschluss gewonnen!"
"Aaaler, machen Sie ma keine Scherze, is mein Abschluss."
"Eben!! Dein Abschluss! Nicht meiner! Und es ist mir ein Rätsel, wie man so ein wichtiges Blatt an dem letzten Tag überhaupt vergessen kann! Ein RÄTSEL!"
Es hat noch nicht mal zur Stunde geklingelt. Die Tür geht auf. Nafisa rennt rein.
"Tut mir voll leid, Frau Feynberg. Ich dachte, wir haben Raum 105 und dann waren Sie da nicht und dann bin ich Sekretariat und dann bin ich Lehrerzimmer. Und ich hatte voll Panik. Aber ich bin so gut, dann dachte ich, Sie sind bestimmt Klassenraum."
"Ist ja auch so überraschend, dass wir im Klassenraum sind. Außerdem habe ich doch nichts gesagt."
"Ah so... hat noch gar nicht geklingelt? Ich Opfer. Zum Glück schimpfen Sie nicht!"
"Hast du den Zettel für den MSA mit?"
"Cüüüs, nur heute oda?"
"Genau. Nur noch heute."
"Vergessen. Hab meine Mutter gar nicht gesehen. Was kann ich dafür, wenn die so spät kommt. Glaub, die hatte Spätschicht. Ich kann die doch nicht wecken, wenn die schläft."
"Nafisa! Du hattest mehrere Wochen Zeit!" Ich werde lauter, das darf doch nicht wahr sein..
"Mehrere Wochen.. Haben Sie gar nicht gesagt!"
"Stimmt, wir haben noch nie, kein einziges Mal über den MSA gesprochen!!"
"Ich gehe jetzt aber nicht nach Hause, Zettel holen. Is mieskalt draußen!"
"Schön, dass du dir anscheinend mehr Sorgen über das Wetter, als über deinen Abschluss machst!"
"Übetreiberin, aaaller!" sagt Nafisa ganz leise und läuft zu ihrem Platz.
Prüfungen werden überbewertet. Die fallen einfach vom Himmel...
"Welches Thema hatten Sie in der Präsentationsprüfung?"
"Als ich Abi gemacht habe, gab's noch keine Präsentationsprüfung. Ich hatte nur eine einfach mündliche Prüfung und wurde abgefragt."
"Wann haben Sie denn Abi gemacht?? Steinzeit??"
"Nein, aber das spielt jetzt auch gar keine Rolle. Ich muss überlegen, was wir mit denen machen, die das Blatt vergessen haben. Ihr könnt schon mal Deutsch auspacken."
"Deutsch? Haben wir Deutsch?"
"Was steht denn auf deinem Stundenplan?"
"Deutsch.. Ah so, Deutsch.. Sagen Sie es doch gleich!"
"Könnt ihr bitte aufwachen und nicht verträumt durch die Schule laufen?? Ihr macht es für euch, nicht für mich! Ich habe meinen Abschluss schon!"
"Uuuh, läuft bei Ihnen Frau Feynberg!"
Donnerstag, 24. Oktober 2013
Thema, wa?
"Längst ist die Jägerprüfung anspruchsvoller als das Abitur."
Michael Marie Jung
Vorbereitung auf den Mittleren Schulabschluss heißt nicht nur Vokabeln lernen, sondern auch Termine einhalten und sich organisieren. Eigentlich müssen das die Schüler machen. Im Endeffekt mache ich das.
"Hallo, ihr Lieben. Was ist morgen für ein Tag?"
"Wochenende? Freitag? Ferien? Weniger Schule?"
"Genau, Freitag. Was müsst ihr morgen abgeben?"
Ratlose Gesichter.
"Denkt an den MSA..."
Ratlose Gesichter.
"Leeeeute!! Aufwaaachen! Die Präsentationsprüfung?!"
"Ah stimmt," antwortet Abdul. "Thema, wa?"
"Ja, morgen müsst ihr diesen Zettel abgeben." Ich halte das Formular hoch. "Hier muss stehen welches Thema ihr behandeln wollt, mit wem und von welchem Prüfer ihr euch prüfen lässt! Ihr bekommt dieses Blatt nur einmal. Passt gut darauf auf. Nicht knicken, nicht wegschmeißen, nicht als Schmierpapier benutzen!"
"Jaaa. Als ob das Platinpapier wäre. Platin ist doch das teuerste auf der Welt, was es gibt?"
"Auch wenn es nur Papier ist, ihr müsst das Ding in 24 Stunden abgeben."
"Hä? Bis morgen?? Haben Sie gaaaar nicht gesagt!"
"Doch, Nafisa, habe ich. Ungefähr 30 Mal. Und das ganze seit August. Morgen ist die Abgabe des Themas."
"Können wir nicht Montag machen?"
"Nein. Das ist eine Prüfung. Es gibt Fristen. Die müssen eingehalten werden."
"Scheiße. Können wir nicht erstmal Sitzkreis machen und erzählen wie unsere Ferien waren?"
"Timm! Die Ferien sind schon länger vorbei. Der Ernst des Lebens ist da, die Prüfung nämlich."
"Ah so.."
"So Leute, wer macht mit wem? Es ist eine Gruppenprüfung, ihr müsst mindestens zu dritt sein."
"Kann ich auch zu viert machen?"
"Mindestens drei, es sind also auch vier möglich."
"Warum nicht zu weit? Oder alleine? Ich will alleine oder zu zweit!"
"Weil es eine Gruppenprüfung ist. Alleine ist man keine Gruppe. Und zu zweit ist man ein Pärchen!"
"Iiiiihhhhhh, Sex und so?"
"Nein! Nur eine Prüfung!"
Wir verbringen eine Schulstunde mit der Gruppeneinteilung. Ein ganze Stunde. Mandy möchte nicht das einzige Mädchen in der Gruppe sein. Can möchte was über Kindersoldaten machen, die anderen Gruppenmitglieder interessieren sich aber für den Regenwald. Also müssen die Gruppen noch einmal gemischt werden. Abdul möchte gar keine Gruppe haben, weil er auch alleine alle Fragen beantworten kann. Antonio und Mirko wollen gar keine Prüfung machen, aber den MSA. Also muss man ihnen zuerst erklären, dass es den MSA ohne der Präsentationsprüfung nicht gibt. Nachdem sie es verstanden haben, brauchen sie ein drittes Gruppenmitglied. Es ist aber keiner mehr frei, also muss einer aus der Vierergruppe weg und zu den beiden gehen. Anstrengender, als in der 7. Stunde an einem Freitag, Ethik zu machen.
Nun haben wir die Gruppen. Jetzt brauchen wir Themen. Prüfungsfähige Themen.
Isabel möchte was in Bio machen. Vor 5 Minuten war es noch Kunst. "Ich will Dinosaurier machen. Ist doch Bio. Oder Erdkunde? Oder nein, ich will über Politik machen. Oder so."
"Ihr hattet viel Zeit, euch ein Thema zu überlegen. Politik oder so ist etwas ungenau. Finanzpolitik, Bildungspolitik, Gesundheitspolitik? Politik in Deutschland, in der Türkei, in Spanien?"
"Cüüs, wie Sie übertreiben! Aber Deutschland wird bist 2014 alle Schulden abgeben, wa?"
"Isabel, bleib bei der Sache! Mit welchem Thema möchtest du dich beschäftigen?"
"Jaaa, schlagen Sie mir doch mal vor! Ist doch ihr Job!"
"Nein, das ist nicht mein Job. Es ist dein Thema, du musst dich bis April mit dem Thema beschäftigen, es muss dich interessierten und es ist deine Prüfung!"
"Ah so.. na dann.. Kann ich noch bis morgen überlegen?"
"Neeeeein, wir brauchen h-e-u-t-e ein Thema! H-E-U-T-E!"
"Wie soll ich das heute schaffen???" Wir brauchen weitere drei Stunden, um alle Themen auszuformulieren. Ich habe das Gefühl, dass es meine Themen sind. Und meine Prüfungen. Danach bin ich fix und fertig. Ich will schlafen. Am liebsten bis zum Frühling. Winterschlaf.
"So Leute, jetzt haben wir es. Vergesst bitte die Unterschrift von euren Eltern nicht, die müssen den Zettel heute Nachmittag unterschreiben und ihr müsst ihn morgen abgeben. M-O-R-G-E-N!! Nicht vergessen! Ganz wichtig!"
Beim Rausgehen sehe ich den ausgefüllten Zettel von Mandy. Lehrer, Thema, Gruppe. Mandy ist längst weg. Das wird nichts mehr mit der Unterschrift der Eltern bis morgen...
Michael Marie Jung
Vorbereitung auf den Mittleren Schulabschluss heißt nicht nur Vokabeln lernen, sondern auch Termine einhalten und sich organisieren. Eigentlich müssen das die Schüler machen. Im Endeffekt mache ich das.
"Hallo, ihr Lieben. Was ist morgen für ein Tag?"
"Wochenende? Freitag? Ferien? Weniger Schule?"
"Genau, Freitag. Was müsst ihr morgen abgeben?"
Ratlose Gesichter.
"Denkt an den MSA..."
Ratlose Gesichter.
"Leeeeute!! Aufwaaachen! Die Präsentationsprüfung?!"
"Ah stimmt," antwortet Abdul. "Thema, wa?"
"Ja, morgen müsst ihr diesen Zettel abgeben." Ich halte das Formular hoch. "Hier muss stehen welches Thema ihr behandeln wollt, mit wem und von welchem Prüfer ihr euch prüfen lässt! Ihr bekommt dieses Blatt nur einmal. Passt gut darauf auf. Nicht knicken, nicht wegschmeißen, nicht als Schmierpapier benutzen!"
"Jaaa. Als ob das Platinpapier wäre. Platin ist doch das teuerste auf der Welt, was es gibt?"
"Auch wenn es nur Papier ist, ihr müsst das Ding in 24 Stunden abgeben."
"Hä? Bis morgen?? Haben Sie gaaaar nicht gesagt!"
"Doch, Nafisa, habe ich. Ungefähr 30 Mal. Und das ganze seit August. Morgen ist die Abgabe des Themas."
"Können wir nicht Montag machen?"
"Nein. Das ist eine Prüfung. Es gibt Fristen. Die müssen eingehalten werden."
"Scheiße. Können wir nicht erstmal Sitzkreis machen und erzählen wie unsere Ferien waren?"
"Timm! Die Ferien sind schon länger vorbei. Der Ernst des Lebens ist da, die Prüfung nämlich."
"Ah so.."
"So Leute, wer macht mit wem? Es ist eine Gruppenprüfung, ihr müsst mindestens zu dritt sein."
"Kann ich auch zu viert machen?"
"Mindestens drei, es sind also auch vier möglich."
"Warum nicht zu weit? Oder alleine? Ich will alleine oder zu zweit!"
"Weil es eine Gruppenprüfung ist. Alleine ist man keine Gruppe. Und zu zweit ist man ein Pärchen!"
"Iiiiihhhhhh, Sex und so?"
"Nein! Nur eine Prüfung!"
Wir verbringen eine Schulstunde mit der Gruppeneinteilung. Ein ganze Stunde. Mandy möchte nicht das einzige Mädchen in der Gruppe sein. Can möchte was über Kindersoldaten machen, die anderen Gruppenmitglieder interessieren sich aber für den Regenwald. Also müssen die Gruppen noch einmal gemischt werden. Abdul möchte gar keine Gruppe haben, weil er auch alleine alle Fragen beantworten kann. Antonio und Mirko wollen gar keine Prüfung machen, aber den MSA. Also muss man ihnen zuerst erklären, dass es den MSA ohne der Präsentationsprüfung nicht gibt. Nachdem sie es verstanden haben, brauchen sie ein drittes Gruppenmitglied. Es ist aber keiner mehr frei, also muss einer aus der Vierergruppe weg und zu den beiden gehen. Anstrengender, als in der 7. Stunde an einem Freitag, Ethik zu machen.
Nun haben wir die Gruppen. Jetzt brauchen wir Themen. Prüfungsfähige Themen.
Isabel möchte was in Bio machen. Vor 5 Minuten war es noch Kunst. "Ich will Dinosaurier machen. Ist doch Bio. Oder Erdkunde? Oder nein, ich will über Politik machen. Oder so."
"Ihr hattet viel Zeit, euch ein Thema zu überlegen. Politik oder so ist etwas ungenau. Finanzpolitik, Bildungspolitik, Gesundheitspolitik? Politik in Deutschland, in der Türkei, in Spanien?"
"Cüüs, wie Sie übertreiben! Aber Deutschland wird bist 2014 alle Schulden abgeben, wa?"
"Isabel, bleib bei der Sache! Mit welchem Thema möchtest du dich beschäftigen?"
"Jaaa, schlagen Sie mir doch mal vor! Ist doch ihr Job!"
"Nein, das ist nicht mein Job. Es ist dein Thema, du musst dich bis April mit dem Thema beschäftigen, es muss dich interessierten und es ist deine Prüfung!"
"Ah so.. na dann.. Kann ich noch bis morgen überlegen?"
"Neeeeein, wir brauchen h-e-u-t-e ein Thema! H-E-U-T-E!"
"Wie soll ich das heute schaffen???" Wir brauchen weitere drei Stunden, um alle Themen auszuformulieren. Ich habe das Gefühl, dass es meine Themen sind. Und meine Prüfungen. Danach bin ich fix und fertig. Ich will schlafen. Am liebsten bis zum Frühling. Winterschlaf.
"So Leute, jetzt haben wir es. Vergesst bitte die Unterschrift von euren Eltern nicht, die müssen den Zettel heute Nachmittag unterschreiben und ihr müsst ihn morgen abgeben. M-O-R-G-E-N!! Nicht vergessen! Ganz wichtig!"
Beim Rausgehen sehe ich den ausgefüllten Zettel von Mandy. Lehrer, Thema, Gruppe. Mandy ist längst weg. Das wird nichts mehr mit der Unterschrift der Eltern bis morgen...
Dienstag, 22. Oktober 2013
Pflaster aus Gold
“Gold ist Geld und nichts anderes.”
J.P. Morgan
Mandy und Can haben heute ein Privatdate mit mir. Eigentlich nacheinander. Aber sie kommen zusammen.
"Mandy, solltest du nicht erst in einer halben Stunde erscheinen?"
Statt Mandy, antwortet Can: "Aller, Frau Feynberg, ich schwör, Mandy, die ist Dick und Doof zusammen. Ich hab dir gesagt, Mädchen, du bist zu früh. Aber Frau Feynberg, diese Behinderte, die wollte nicht hören!"
"Frau Feeeeeynbeeerg, sagen Sie ma was! Wie der mich immer beleidigt. Ich mach doch Praktikum in Bäckerei. Ich hab mich voll verbrannt am Ofen- diese Hurensohn! Und dann musste ich früher gehen, weil ich hatte soooolche Schmerzen! Wow!"
Ich sehe, wie in Can für einen Moment Mitleid aufkommt: "War Blase?"
"Nein, aber war voooll dick! Hat zerstört, ich schwöre.."
Schon ist es vorbei mit Cans Mitleid. Er kommt ganz nah an Mandy und betrachtet ihre Haare.
"Cüüüs, wie viel Schuppen du hast! Ich wette, du hast sogar in Augenbrauen Schuppen."
"Neeeein, sind keine! F-A-R-B-E. Ich hab versucht mit Farbe, aber ging nicht. Und dann hatte ich keine Zeit rauszuwaschen. Richtiger Lehrer, wie der alles merkt. Opfer, kauf dir Hobbies!"
Ich gucke genauer hin und tatsächlich. Da sind weiße Spuren. Ich frage mich, ob Mandy mit Tipp-Ex rumexperementiert hat. Aber eigentlich ist das jetzt unwichtig.
"So, genug gequatscht, jetzt seid ihr ja beide da. Zeigt mir bitte, was ihr für das Referat in zwei Wochen gemacht habt."
Can wühlt in seinem Rucksack. Und wühlt. Und wühlt. "Scheißendreck. Zu Hause vergessen. Aber is egal. Weil ich will ja zeigen wie man Reifen wechselt. Ich zeig es dann einfach so. In Klasse. Also hier."
"Can! Du bringst doch kein Auto her und zeigst uns, wie man Reifen wechselt.. Wäre natürlich schön, ist aber eher unwahrscheinlich."
"Ah so ja, geht ja nicht, wa?" Can ist geknickt.
"Mandy?"
"Was?"
"Deine Ordner? Wo sind sie?"
"Ah so.. Ordner.. Ja, hab ich in Bäckerei vergessen. Wissen Sie, was für üüübertriebene Schmerzen ich hatte? Wie bei Zahnarzt oda so... Nein, schlimmer!"
"Aaaler, wie Mongolei kann man eigentlich sein? Was gibt's schlimmer, als Zahnarzt?"fragt Can.
"Caaan! Erkläre du mir lieber, wie man Dreisatz rechnet?! Wenn ihr schon nichts für die Referate dabei habt."
"Drei.. was?"
"Dreisatz! Hat Mrs. Smith letztens mit euch wiederholt!"
"Hä, das war doch kein Dreisatz, das war irgendwas mit Dreiteilung.. Aber Frau Feynberg, ich muss doch nicht diese Dreisatz machen, wenn ich später Geld zähle.."
"Can, Geld zählen kannst du, wenn du Geld hast. Geld hast du, wenn du einen Job hast. Und einen Job hast du, wenn du einen Abschluss machst." Im Idealfall.
"Frau Feynberg... wer ist eigentlich reichste Mann von Welt?" überlegt Can total abwesend... "Bill Gates? Steve Jobs? Aber bestimmt ein Türke!"
"Diese Geissens?" überlegt nun auch Mandy. "Wenn die sich Finger verbrennen, kriegen die bestimmt Pflaster aus Gold in Krankenhaus!"
J.P. Morgan
Mandy und Can haben heute ein Privatdate mit mir. Eigentlich nacheinander. Aber sie kommen zusammen.
"Mandy, solltest du nicht erst in einer halben Stunde erscheinen?"
Statt Mandy, antwortet Can: "Aller, Frau Feynberg, ich schwör, Mandy, die ist Dick und Doof zusammen. Ich hab dir gesagt, Mädchen, du bist zu früh. Aber Frau Feynberg, diese Behinderte, die wollte nicht hören!"
"Frau Feeeeeynbeeerg, sagen Sie ma was! Wie der mich immer beleidigt. Ich mach doch Praktikum in Bäckerei. Ich hab mich voll verbrannt am Ofen- diese Hurensohn! Und dann musste ich früher gehen, weil ich hatte soooolche Schmerzen! Wow!"
Ich sehe, wie in Can für einen Moment Mitleid aufkommt: "War Blase?"
"Nein, aber war voooll dick! Hat zerstört, ich schwöre.."
Schon ist es vorbei mit Cans Mitleid. Er kommt ganz nah an Mandy und betrachtet ihre Haare.
"Cüüüs, wie viel Schuppen du hast! Ich wette, du hast sogar in Augenbrauen Schuppen."
"Neeeein, sind keine! F-A-R-B-E. Ich hab versucht mit Farbe, aber ging nicht. Und dann hatte ich keine Zeit rauszuwaschen. Richtiger Lehrer, wie der alles merkt. Opfer, kauf dir Hobbies!"
Ich gucke genauer hin und tatsächlich. Da sind weiße Spuren. Ich frage mich, ob Mandy mit Tipp-Ex rumexperementiert hat. Aber eigentlich ist das jetzt unwichtig.
"So, genug gequatscht, jetzt seid ihr ja beide da. Zeigt mir bitte, was ihr für das Referat in zwei Wochen gemacht habt."
Can wühlt in seinem Rucksack. Und wühlt. Und wühlt. "Scheißendreck. Zu Hause vergessen. Aber is egal. Weil ich will ja zeigen wie man Reifen wechselt. Ich zeig es dann einfach so. In Klasse. Also hier."
"Can! Du bringst doch kein Auto her und zeigst uns, wie man Reifen wechselt.. Wäre natürlich schön, ist aber eher unwahrscheinlich."
"Ah so ja, geht ja nicht, wa?" Can ist geknickt.
"Mandy?"
"Was?"
"Deine Ordner? Wo sind sie?"
"Ah so.. Ordner.. Ja, hab ich in Bäckerei vergessen. Wissen Sie, was für üüübertriebene Schmerzen ich hatte? Wie bei Zahnarzt oda so... Nein, schlimmer!"
"Aaaler, wie Mongolei kann man eigentlich sein? Was gibt's schlimmer, als Zahnarzt?"fragt Can.
"Caaan! Erkläre du mir lieber, wie man Dreisatz rechnet?! Wenn ihr schon nichts für die Referate dabei habt."
"Drei.. was?"
"Dreisatz! Hat Mrs. Smith letztens mit euch wiederholt!"
"Hä, das war doch kein Dreisatz, das war irgendwas mit Dreiteilung.. Aber Frau Feynberg, ich muss doch nicht diese Dreisatz machen, wenn ich später Geld zähle.."
"Can, Geld zählen kannst du, wenn du Geld hast. Geld hast du, wenn du einen Job hast. Und einen Job hast du, wenn du einen Abschluss machst." Im Idealfall.
"Frau Feynberg... wer ist eigentlich reichste Mann von Welt?" überlegt Can total abwesend... "Bill Gates? Steve Jobs? Aber bestimmt ein Türke!"
"Diese Geissens?" überlegt nun auch Mandy. "Wenn die sich Finger verbrennen, kriegen die bestimmt Pflaster aus Gold in Krankenhaus!"
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