Dienstag, 17. Juni 2014

Heute ohne Zitat.

Menschen sind gemein. Und unpädagogisch. Muss man mehr Glück als Verstand im Leben haben? Beziehungen? Gutes Aussehen? Was muss man haben, um eine Chance zu bekommen? Braucht man nur Beziehungen? Ist es alles nur Zufall?
Bewerbungen schreiben macht keinen Spaß. Stundenlang. Wort für Wort. Komma für Komma. Das Wort an die Stelle oder lieber doch an den Anfang? Ein Bildchen? Welche Schrift? Etwas fett gedruckt oder doch lieber kursiv? Irgendwann sieht man nur noch Buchstaben, nur noch Satzzeichen. Irgendwann zweifelt man an der Schärfe der Brille und am eigenen Versand. Aber man schärft seinen Blick ein weiteres Mal, strengt die Gehirnzellen an. Vielleicht klappt es ja diesmal. Die Zeit rennt. Das Jobcenter naht. Jobcenter? Ich? Niemals! Diesmal muss es klappen. Die Stelle war wie für mich gemacht. Bewerbungsfrist schon längst vorbei. Da stimmt doch was nicht. Was sage ich gleich am Telefon, welche Worte sollte ich wählen? Ich lege mir Sätze zurecht und spreche doch andere aus. Mein Herz hämmert.
Wie heißen Sie? Hmm.. sagt mir jetzt nichts, der Name, müsste ich nachgucken. Aber eigentlich sind wir schon gut besetzt für das nächste Schuljahr. Und der Bewerbungsprozess ist auch schon durch. Komisch, sage ich, es hat sich doch keiner bei mir gemeldet, ich habe doch alle Voraussetzungen für die Stelle erfüllt, aber mich hat keiner angerufen. Nur nicht verzweifelt klingen, Lea! Oder doch? Gibt es ein Richtig oder Falsch? 
Aber ja... hmm... ich melde mich bei Ihnen, sagt sie. Sehr freundlich. 
Ich fühle mich wie der letzte ungelernte Bauarbeiter und spüre die salzigen Tränen auf meinem Gesicht. 
Gleichzeitig fühle ich mich menschlich. Jedem Schüler eine Chance geben, jeden gleichwertig behandeln. So muss es sein, denke ich und bin mir sicher, dass es mir bisher ganz gut gelungen ist. Und schwöre mir, dass ich nie mit Schülern so umgehen werde, wie man gerade mit mir umgeht.
Eine E-Mail. Eine weitere Absage. Sehr interessante Bewerbung, die ich da geschrieben habe, steht da. Vielleicht sieht man sich ja eines Tages im Berufsleben und arbeitet miteinander. Nur nicht diesmal. Die Tränen nehmen kein Ende.

Kommentare:

  1. Es wird werden, Frau Feynberg.
    Menschen wie Sie finden auch die richtige Stelle.
    Mein Gott, wäre ich in Hamburg ...

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  2. Seit einer geschlagenen halben Stunde starre ich das Kommentarfeld und versuche die richtigen Sätze im Kopf zu formulieren. Irgendetwas heraus zubringen, was Ihren letzten Satz mildern könnte, doch ich weiß gar nicht ob das überhaupt irgendjemand gerade kann. Ich weiß nur, dass ich Sie unglaublich gerne gekannte hätte und als Lehrerin gerne erlebt hätte. Ich beneide die Schüler, die Sie hatten, haben und haben werden, denn so jemand wie Sie ist mehr als Gold wert. Und das wird man erkennen - auch in Hamburg. Ich drücke ganz ganze fest die Daumen und wünschte ich könnte Ihnen meine alte Schule anbieten. Ist nur leider das falsche Bundesland ;)
    Alles, alles Gute,
    Kat - Abiturientin NRW 2013 - Dank Lehrern wie Ihnen!

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  3. Danke für die aufbauenden Worte! Tausend Dank! Das macht die Sache ein klein bisschen besser...

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