Donnerstag, 19. April 2012

Müüüüde


„Ich habe keine Zeit, müde zu sein.“


Wilhelm I. (1871-88), dt. Kaiser

Es ist echt nicht zu fassen, ich bin wieder müde!! Wir hatten doch erst gerade Ferien… Aber so müde, dass ich das Wochenende kaum abwarten kann und heute nachgezählt habe, wann die Sommerferien sind. Voll nervig! Am Montag hatte ich schon mal gezählt. Aber wer weiß… man kann sich ja auch verzählt haben. Vielleicht sind es doch nicht neun, sondern eventuell nur acht Wochen? Aber nein, leider nein… Schon am Montag richtig gezählt. Und ich kann noch nicht mal sagen, dass die Woche sooo anstrengend war. Ich glaube, das Problem sind die 100 Aufgaben, die man jeden Tag nebenbei erledigen muss. Organisation und Papierkram ohne Ende, immer wieder Kommunikation mit allermöglichen Instanzen und alles andere, was so anfällt. Zum Beispiel ständige Auflagen vom Senat. Schreiben Sie ein Konzept für die Sprachförderung, ein Konzept für die Berufsorientierung, ein Konzept für ‘was-weiß-ich-was-hauptsache-es-sieht-nach-Arbeit-aus’. Und setzen Sie die ganzen Konzepte natürlich sofort um! Und das Ganze bitte bis gestern. Ok, die Müdigkeit wundert mich jetzt doch nicht mehr…

Die standing wachsenden Anforderungen an die Lehrer kotzen einen an. Letztes Jahr hat eine Demo stattgefunden. Für bessere Arbeitsbedingungen. Beamte dürfen ja nicht streiken, deswegen sind einige angestellte Lehrer während der Arbeitszeit hingegangen. Diese haben eine Abmahnung bekommen und ihnen wurde Geld für diese Stunden abgezogen. Schööön- sieht das nicht nach echter Demokratie aus?? Warum muss man sich eigentlich allem beugen, was der Senat einem so vorschreibt? Und zwar egal, ob diese Änderungen einen Sinn ergeben oder nicht- je nach Lust und Laune. Keiner schreit auf, jeder läuft mit dem Strom. Ich ja auch. Letztens habe ich gelesen, dass eine Untersuchung ergab, dass Lehrer in einer Minute genauso oft reagieren müssen, wie Fluglotsen. Nur bekommen die unfassbar viel Geld, werden jede halbe Stunde ausgewechselt (Keine Ahnung, ob eine halbe Stunde stimmt. Auf jeden Fall ziemlich häufig.) und gehen mit 55 in Rente. Gut, sie haben nicht annährend so viel Spaß, wie wir.

Nur beschweren möchte ich mich heute auch nicht. Schließlich finde ich meine Klasse momentan gaaanz toll! Lustig ist es auch noch, geht also auch ohne Sorgen. Und da diese Phasen nicht von Dauer sind, muss man sie genießen, nicht?
- “Haaaallo Mrs. Jooohnson!”
“Hallo Can!”
- “Mrs. Johnson, darf ich Sie kurz anfassen?” Can steht 1 cm von mir entfernt, sein Zeigefinger berührt fast meine Schulter. Aber nur fast.
“Natürlich nicht? Und wieso das denn überhaupt?”
- “Weiß nicht, nur so. Einmal Lehrer anfassen.” Auch Mandy steht nun mit uns. Sie bewegt ihre Hände so, als würde sie etwas zu sich kommen lassen wollen. Und sie atmet gaaanz tief ein. Immer wieder.
“Ääähm, Mandy?! Kann man dir irgendwie helfen?”
- “Ihr Parfüm riecht sooo geil! Ich will bisschen einatmen. Können Sie im Unterricht bitte 5 Mal an mir vorbeilaufen? Ich bin krasser Fan von Sie!”
In diesem Moment schreit Gülcan durch die ganze Klasse: - “Tu ma nicht so, du Behinderte! Du verwechselst disch mit misch! Ich bin das größte Fan von Mrs. Johnson, wo gibt!” Ich muss Autogrammkarten anfertigen lassen, wenn es so weitergeht…

Mittwoch, 18. April 2012

Ohne Döner - ohne mich!


„Essen, um zu leben, nicht leben, um zu 
essen!“


Mahatma Gandhi

Wir waren also unterwegs. Alles hat auf dem Weg funktioniert, alles hat vor Ort geklappt. Can hat sich zwar alle 5 Meter auf die Straße gesetzt, ist sofort wieder aufgestanden und weiter gelaufen.
“Was ist den mit dir los?”
- “Ich muss mein Akku aufladen!”
Außerhalb der Schule sind die Kiddies tatsächlich gaaanz anders. Ich mache mir ja immerzu Sorgen, wie meine Schützlinge den Berufsalltag in Betrieben überstehen sollen. Aber sie zeigen mir immer wieder, dass sie sich außerhalb des Schulgebäudes tatsächlich benehmen können. Eventuell klappt es ja alles, wenn vor einem der Chef steht und nicht der Lehrer. Warum das in der Schule nicht geht, muss noch erforscht werden. Alle sind gesund und zufrieden zurückgekommen. Und dass muss schon was heißen! Wäre da nicht die Sache mit dem Döner, zu der ich später komme.

Es waren auch alle da. Alle außer Fatih. Er hat es ja auch irgendwie gestern angekündigt. Als er sich über die lange Fahrt und alles andere aufregte. Die anderen Schüler verieten mir allerdings den wahren Grund für sein Fernbleiben.
“Weiß jemand, wo Fatih bleibt?” Ich frage eine kleine Gruppe Jungs, die mit ihm im Kontakt stehen. Schweigen, keiner schaut mir in die Augen.
“Jungs! Raus damit! Ihr verschweigt mir doch etwas?” Endlich reagiert Max.
- “Ich sage es Ihnen, aber sagen Sie nicht, dass ich es gesagt habe!”
“Deal.”
- “Der hat heute Geburtstag, der geht nicht in die Schule, wenn er Geburtstag hat.” Sehr schön, jeder macht hier seine eigenen Regeln. Die Mädchen kommen nicht zum Sport, wenn sie ihre Tage haben. Die anderen feiern ihren Geburtstag und verzichten auf Schule. Wenn man denkt, man hat schon alles erlebt, begreift man, dass noch einiges vor einem liegt.
“Das hat er genauso gesagt, ja?”
- “Ja, aber sagen Sie nicht. Oder machen Sie Ausnahme, der hat doch Geburtstag!” Wie viele Ausnahmen soll ich bitte noch machen? Hmm, sagen oder nicht. In der Klassenliste steht ja, wann er Geburtstag hat. Das kann man ja in das “warum-warst-du-nicht-da-Gespräch” sanft einfließen lassen, wenn er wieder da ist.

- “Wieso keine Kaugummis??” René ist total empört.
“Weil dies eine Schulveranstaltung ist, auch hier gilt die Schulordnung!”
- “Musik dürfen wir nicht hören, mit Handy spielen auch nicht. Geht nicht wenigstens Kaugummi?” Immer diese Disskussionen. Meine Antwort bleibt aus. René fragt auch nicht weiter nach. Welch Glück. Dafür schaltet sich Abdul ein.
- “Mrs. Johnsoooon, wir machen doch Pause! Kann ich dann Döner kaufen?”
“Ich kenne die Gegend, hier gibt es weit und breit keine Dönerbude.”
- “Nieeemals!”
“Du kannst mir glauben!”
- “Was soll ich jetzt machen? Ich brauch Döner. Ist wie Medizin, wissen Sie?”
“Das ist genauso wie mit der S-Bahn, die nicht fährt. Wenn es keinen Döner gibt, dann gibt es eben keinen! Musst dir eine andere Therapie suchen.”
- “Sagen Sie, ich bin krank??”
“Neeein, dass war nur auf deine Medizingeschichte von vorhin bezogen.”
- “Was für eine Scheiße, ich hass das hier. Dann schon lieber Schule!” Was ein Döner alles ausmachen kann…

Dienstag, 17. April 2012

Anti Alles


Unkraut ist die Opposition der Natur gegen die Regierung der Gärtner.

Oskar Kokoschka

Morgen gibt es eine außerschulische Veranstaltung. Morgen ist wichtig. Deswegen werde ich auch nicht müde zu wiederholen, wann und wo wir uns treffen und wie das alles ablaufen soll. Bei jeder Wiederholung der Informationen, kommt es mir, als würden meine Schüler diese zum ersten Mal wahrnehmen.

“Fatih, was machen wir morgen?”
- “Wie? Was morgen? Schule?!”
“Nein, eben nicht!”
- “Warum? Keine Schule?”
“Nö. Wir machen morgen etwas für die Berufsorientierung. Da werdet ihr hoffentlich eure Stärken, die ihr für die Berufssuche verwenden könnt, bisschen besser kennenlernen.”
- “Was Stärken? Ob ich stark bin? Normal, bin ich stark. Ich haue jeden um.”
“Nein, es geht darum, was ihr gut könnt und was weniger gut. Soft Skills und Hard Skills. Haben wir im Unterricht besprochen, erinnerst du dich?”
- “Ah so. Und wenn ich nix kann?”
“Keine Sorge, irgendwas kannst auch du! Also wo treffen wir uns?”
- “Aller… wieso sagen Sie so oft? Da, wo S-Bahn fährt.”
“NEIN!! Deswegen sage ich das alles soooo oft! Weil die S-Bahn wieder mal nicht so fährt, wie wir das gerne hätten, müssen wir die U-Bahn nehmen.”
- “Dann komme ich nicht! Wie viel ich laufen muss bis U-Bahn! Abooou! Bin ich Marathon oder was?”
“Noch einmal, langsam: wir können die S-Bahn nicht nehmen, weil sie N.I.C.H.T fährt!!”
- “Ohne Sinn!”
“Was möchtest du denn? Soll ich unsere eigene S-Bahn herzaubern und sie auf die Schienen stellen? Da, wo sie morgen eigentlich nicht fährt?” Langsam schwindet auch meine Geduld…
- “Wäre mies cool.”
“Ja, wäre es. Liegt aber leider nicht im Rahmen meiner Möglichkeiten. Unmögliches wird sofort erledigt, Wunder dauern immer länger.”
- “Hä?” Keine Lust jetzt, Erklärungen zum Sprachgebrauch abzugeben. Reichen schon die, für den morgigen Tag.
“Außerdem muss ich auch früher losfahren! Für mich ist es auch umständlicher!”
- “Ja Sie.. Sie haben Auto!”
“Morgen fahre ich auch mit der Bahn und du wirst es nicht glauben, aber ich werde es garantiert überstehen. Und wenn wir schon beim morgigen Tag sind. Wo ist die Unterschrift für das Infoblatt zur Veranstaltung?”
- “Hab nicht.”
“Aus welchem Grund?”
- “Weiß nicht. Meine Mudda weiß doch, dass wir gehen! Kann ich Unterschrift fälschen? Mache ich direkt! Ich hab dann Ruhe, Sie haben Unterschrift!” Ich verdrehe die Augen. Noch weiter möchte ich eigentlich nicht diskutieren. Fatih anscheinend schon.
- “Wenn Sie Arbeiten nicht schnell korrigieren, sag ich auch nix! Machen Sie ab jetzt Arbeit in eine Tag, dann mache ich Unterschrift auch in eine Tag! Sonst nicht!”
“Uhhh, jetzt habe ich aber Angst!”
- “Was los mit Lehrern? Alle gucken nur mich und machen Stress!”
“Ja, wir haben’s auf dich abgesehen. Wusstest du es nicht?” Diesmal rollt Fatih mit den Augen. Wir sind wohl beide voneinander genervt.
Nachdem wir alles bezüglich morgen geklärt haben und sogar etwas Unterricht machen konnten, fragt Fatih: - “Welche Lehrer kommen morgen überhaupt mit? Ich gehe nicht mit alle!”

Montag, 16. April 2012

Endlich wieder Schule


“Unsere Zeit ist so aufregend, dass man die Menschen eigentlich nur noch mit Langweile schockieren kann.”

Samuel Beckett

Als Schülerin dachte ich immer, Lehrer freuen sich nicht so sehr über die Ferien. Zumindest nicht so, wie die Schüler. Heute kann ich sagen, Lehrer freuen sich noch mehr. Sie können es kaum erwarten und träumen in den letzten beiden Wochen nur noch von der schulfreien Zeit. Im Gegensatz dazu, bin ich bei meinen Schülern da gar nicht mal so sicher. Die meisten fahren nicht weg, sondern bleiben in Berlin. Die Ferien verbringen sie dann vor dem Fernseher oder vor einer Spielkonsole. Langweile pur.

Sehr auffällig. Ich gehe die Treppe hoch, zum Klassenraum. Keiner von meinen Spezies springt auf der Treppe, keiner steht vor dem Raum, keiner schreit, keiner schubst. Alles leise. Ich stehe vor der Tür. Alles leise, in der Klasse brennt kein Licht. Schwänzen sie alle? Haben die sich verlaufen oder die Klasse nicht gefunden? Ich beschließe doch mein Glück zu versuchen. Ich drücke also die Türklinke. Die Tür öffnet sich. Alle Schüler sitzen mucksmäuschenstill auf ihren Plätzen.
- “Cüs, Mrs. Johnson! Wie haben Sie uns gefunden???” War nicht soooo schwer, ehrlich gesagt.

Erstes positives Erlebnis heute morgen: Dejan saß auch zu dem Zeitpunkt in der Klasse. Total pünktlich, sogar 10 Minuten vorm Klingeln, wie mir später berichtet wurde. Eigentlich selbstverständlich. Aber nicht für Dejan und für viele andere aus meiner Klasse auch nicht. Ich bin noch nicht dahinter gekommen, ob man für selbstverständliche Dinge loben  oder es lassen sollte. In diesem Fall habe ich es einfach gemacht.
“Sehr schön, dass du gleich am ersten Tag pünktlich kommst! Ich hoffe doch, dass es ab jetzt immer der Fall sein wird?!”
- “Inshallah. Was haben Sie in Ferien gemacht? Schwören Sie, war schwer für Sie zwei Wochen ohne mich?!” Hmmm, ja.

“Guten Morgen Melisa, wie waren deine Ferien?”
- “Waren normal und Ihre?”
“Meine waren sehr schön, danke!”
- “Sie haben es gut! Eigentlich waren meine langweilig. Immer so und so.” Keine Ahnung, was du mit ‘so und so’ meinst, aber ich habe es wirklich gut….
- “Also, mir war gar nicht langweilig!” Nafisa guckt auf einmal total traurig. “Immer wenn Ferien sind, muss ich oberviel machen. Geschwister kümmern, kochen, sauber machen. Schule ist besser.” Ja… wir haben ganz viele Mädchen, die den ganzen Haushalt schmeißen müssen und aus diesem Grund keine Zeit mehr für Schularbeiten haben. Die Rollenverteilung in diesen Familien ist doch ziemlich verschoben.
- “Schuuu, Mrs. Johnson!”
“Auch dir guten Morgen, Djamal!”
- “Guten Morgen. Ich habe Sie mit Ihre Bruda in Ferien, in Ku’damm gesehen.” Ich gucke etwas verwundert. Also fragt Djamal vorsichtshalber noch einmal nach. “Sie haben doch ein Bruda? So ein großer.”
“Ja, habe ich. Es kann gar nicht sein, ich war nämlich fast die ganzen Ferien über vereist.”
Djamal fängt an, hysterisch zu lachen. - “Aller, Mrs. Johnson, ich hab Sie verarscht! War nur Witz!” Riesenwitz.

Plötzlich rennen Deniz, Dejan und Umut in die Klasse. Sie schreien und krümmen sich vor Lachen. Dass sie einige Minuten zu spät sind, scheint sie nicht zu interessieren.
- “Mrs. Johnson!!” Umut bekommt kaum ein Wort raus, weil er immer wieder lachen muss. Die übrige Klasse wird natürlich angesteckt. Oh nein, die werden sich jetzt die ganze Stunde kaputtlachen und sich nicht mehr einkriegen können. Tschüss, geregelter Unterricht.
“Ja?”
- “Mrs. Johnson! Da geht was auf Jungentoilette! Da ist ein Mädchen in Kopftuch auf Jungenklo! Stellen Sie sich vor! Und die kackt!”
“Jungs, jetzt beruhigt euch mal und erzählt keinen Quatsch! Seht ihr Gespenster?”
- “Mrs. Johnson, ich schwör, die hat da gekackt!”
- “Aller, bist du dumm? Die kackt immer noch! Gehen Sie ma riechen, dann glauben Sie uns! So ein Missgeburt!”
“Wenn schon, dann die. Also die Missgeburt, weil zu diesem Wort der Artikel ‘die’ gehört!”
- “Mrs. Johnson! Ich bin geschockt. Was bringen Sie uns für Wörter bei?? Bessern Sie sich!”
“Besser’ du dich doch!” Schweigen.
“Um zurück zu euerer Frage zu kommen. Nein danke, ich möchte nicht riechen, sondern mit dem Unterricht anfangen!”
- “Abooou, warum machen Sie so? Erster Tag Schule. Geht nicht bisschen chillen?”
- “Mrs. Johnson, allerletzte Frage. Bitte”
“Ja Lukas, sprich dich aus!”
- “Wann sind Sommerferien?”
“Gute Frage.” Lukas guckt mich mit ganz großen Augen an. So, als verstehe er die Welt nicht mehr. “Bis dahin dauert es noch ganz ganz lange!”

Nach der Schule vergesse ich öfters mein Handy, wieder auf ‘laut’ zu stellen. Gegen 16 Uhr gucke ich drauf und sehe: 4 Anrufe in Abwesenheit von der Mutterdiemanmeidensollte. Ich überlege, was denn passiert sein könnte. Ist er abgehauen? Hat sich mit jemandem geschlagen? Ist möglicherweise etwas auf dem Nachhauseweg passiert? Ich rufe also zurück.
- “Hallo, Mrs. Johnson. Danke, dass du zurück anrufst, meine Süße! Wie war Dejan heute in Schule?” Kotz.

Freitag, 30. März 2012

Statistik


„Die Statistik ist wie eine Laterne im Hafen. Sie dient dem betrunkenen Seemann mehr zum 
Halt als zur Erleuchtung.“

Hermann Josef Abs


Bin ich fertig! Nur noch müde. Spätestens als ich vor einer Stunde im Supermarkt einkaufte und der Kassiererin ‚guten Morgen’ wünschte, war klar: Wie schön, dass wir jetzt Ferien haben. Und wie nötig ich sie jetzt habe. Die Zeit seit den letzten Ferien waren aber auch echt ... ähm ... sagen wir mal intensiv. 8 Wochen! Unfassbar viel passiert. Hier meine persönliche Statistik der letzten sieben Wochen. (Bei der ich wahrscheinlich auch nicht mehr alle glorreichen Ereignisse zusammenkriege.)


  •   8 Elterngespräche in der Schule geführt.
  • Dabei 3 Schüler zum Weinen gebracht.
  • Montag bis Donnerstag Telefonate mit Eltern. Jede Woche.
  •  3 Schüler beim Schwänzen erwischt. Viele andere wahrscheinlich nicht.
  • 5 Streitereien geschlichtet (viele weitere entweder nicht mitbekommen oder Versöhnung ausgeschlossen).
  •  2 Lehrer haben Kratzer auf ihren Autos nach der Schule entdeckt.
  •  4 Mal nach- und 6 Mal vorgesessen.
  • Fast 300 Tests korrigiert.
  • 150 Mal ‚Masha'Allah’ und ‘Alhamdulillah’ gehört.
  • 4 große Schlägereien miterlebt. Nie getraut, dazwischen zu gehen.  Zahlreiche kleine auseinander genommen.
  • Unterrichtszeit brutto: 45 Minuten. Netto: Höchstens 35 Minuten im Durchschnitt.
  • Jedem Schüler ein paar Mal erklärt, dass ich ihn oder sie auf keinen Fall bei Facebook als Freund/in annehmen werde.
  • 2 gefälschte Unterschriften ‚aufgedeckt’. 
  • 2 Mal mit dem Jugendamt und der Schulpsychologie kommuniziert.
  •  1 Mal mit der Polizei.
  •  50.000 Mal beleidigte Schüler beruhigt und ihnen erklärt, dass man es nicht auf sie ‚abgesehen’ hat.
  • Jede Woche mindestens 2 Mal „Deine-Mudda-Beleidigungen-sind-nichts-wert-Gespräche“geführt.
  • 20 Mal gesagt, dass wir keine Spielstunde machen können. Auch heute nicht.
  • Weitere 20 Mal überlegt, den Job hinzuschmeißen.
  •  Jeden Tag im Büro des Sozialarbeiters Informationen und diverse Ratschläge eingeholt.
  •   23 Mal darauf hingewiesen, dass es noch zu früh für hitzefrei ist.
  • Geschätzte 10 Mal dem Nervenzusammenbruch nah gewesen.
  • 10 ‚geklaute’ Bücher wiedergefunden. Überraschung.
  • Jeden Tag betont, dass Noten für die Bewerbung wichtig sind und Schüler mit vielen Verspätungen und unentschuldigten Tagen keine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben.
  • 12 Beleidigungen gehört, die ich noch nie vorher gehört habe. ·   (Letztens bei Facebook gelesen: Der moderne Satzbau: "Subjekt - Prädikat - Beleidigung - Alter". Stimmt absolut.)
  •  Jeden zweiten (vielleicht auch dritten) Tag mich über die Wahl meines Jobs gefreut.
  • 3 neue Ausdrücke auf Türkisch und 2 auf Arabisch gelernt. Viel zu wenig.
  •   Ca. 10 Mal die Stimme erhoben. Lange dachte ich, ich könnte gar nicht schreien.
  • An 35 Tagen darüber diskutiert, warum man in der Schule Papier und Stifte braucht.
  •   Jeden Tag gelacht.


Und jetzt: Feeeeerieeeeen!!! Ohne Wecker, ohne einer 100-dB-Geräuschkulisse, ohne Korrekturen. Ganz ehrlich? Verdient! Ist so!