Montag, 5. August 2013

Dissmaschine

„Homer ich höre deinen Sarkasmus bis in de Küche rüber und das obwohl die Spülmaschine läuft.“

Marge Simpson

Ich habe kaum geschlafen. Ich weiß auch nicht, warum. Hitze, Gedanken, Aufregung. Neues Schuljahr, neue Schüler, neue Kollegen. Früher konnte ich das noch: wenig schlafen und den nächsten Tag durchpowern. Heute: wenig Schlaf, Produktivität gleich null. Alt halt.
Ich habe also das Gefühl zu schlafwandeln, als ich zusammen mit Mrs. Smith die Klasse betrete. Mich weckt auch keiner. Erstmal nicht. Die sitzen alle da. Alle. Und unterhalten sich. Wie normale Menschen. Schlagartig werde ich wach. Irgendwie sind die süß. Irgendwie ist es schön wieder in der Schule zu sein. Außerdem haben wir heute nur einen kurzen Tag. Ich bin also motiviert und absolut aufgedreht.
"Was ist denn mit euch heute los? Wer seid ihr denn? Kennen wir uns?"
"Cüs, Mrs. Johnson, in Ferien Dissmaschine geworden oda was? Wie Sie uns dissen!"
Ich bin wieder da. Meine Schüler sind wieder da. Ich muss lächeln. Immer wieder.
Mrs. Smith hört nicht auf zu fragen, warum ich so gut gelaunt bin.

Wir haben neue Schüler. Eine neue 9te. Schüler, die sich genauso wie unsere "Alten", für die mehrheitlich praktische Schulform entschieden haben. Die gucken noch ziemlich verunsichert und warten gespannt, was jetzt passiert. Nach paar Begrüßungsworten geht's los.
"So, Ihr Lieben. Einmal aufstehen zum Kennenlernen!"
"Hass des Grauens!" ruft Önder aus und ich fühle mich wieder wie zu Hause. "Wieso denn Aufstehen? Ich stand schon die ganzen Ferien voll viel. Ich wurde von meiner Mutter geknechtet. Mach dies, mach das. Küche und so. Wenn die mich wenigstens zahlen würde! Die denkt auch, die ist Chef. Ich kann doch allen auch so 'Hallo' sagen, wenn ich sitz!" Er dreht sich zu Ebo um und schreit: "Ey, du Knecht. Willkommen bei uns! Wenn du Probleme hast, sagst du Bescheid!"
Ebo weiß überhaupt nicht, was er antworten soll. Ist auch zugegebenermaßen nicht ganz einfach.
"Önder! Du sollst ihn nur begrüßen und ihn nicht gleich beleidigen!"
Önder will es nicht verstehen und fragt Ebo: "Ebo, gib ma zu, du warst nicht beleidigt?! War nur ein Witz. Macht man mit dir oft Witze? Sei ma nicht sauer, Ebo. Wir machen hier über alle Witze."
Wie beruhigend... Jetzt fühlt sich Ebo gleich viel wohler in der Klasse!

Nachdem das Witzemachen legitimiert wurde, veranstalten Mrs. Smith und ich ein Kennenlernspielchen. Fragen, Antworten, mehr übereinander erfahren. Und es funktioniert! Sie reden miteinander, hören einander zu, wir hören keine einzige Beleidigung. Der Lieblingstag von Can ist Wochenende. Serkans Bruder ist vom Beruf Geschäftsmann, seine Schwester ist vom Beruf verheiratet. Melina kennt nur einen deutschen Schriftsteller, nämlich Astrid Lindgren. Parthena möchte von Timm wissen, ob sie die Haare lieber offen oder in einem Zopf tragen soll. Magda ist der Überzeugung, dass Google nicht alles weiß, aber Mirko weiß es besser. Denn Google kennt sogar Brutos Brutaloz. Ich kenne ihn nicht. In Mirkos Augen weiß ich also auch nicht alles, wenn ich Brutos Brutaloz, den überbekannten Rapper nicht kenne.
Es läuft. Das sind eben die wichtigen Dinge, die man wissen muss, um sich kennenzulernen.

Vielleicht sind sie erwachsener geworden? Erwachsener, als letztes Jahr? Schließlich sind wir in der 10. 

Nach der kleinen Auseinandersetzung mit Önder freue ich mich, wieder in der Schule zu sein. Und Mrs. Smith fragt mich wieder, warum ich so gut gelaunt bin.

Kommentare:

  1. "Früher konnte ich das noch: wenig schlafen und den nächsten Tag durchpowern. Heute: wenig Schlaf, Produktivität gleich null. Alt halt."

    Was sollen denn wir wirklich Alten dazu sagen?
    Na so was, Mrs. Rap!

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